Zum Inhalt springen
  • ISB Prisma - Magazin für Schule & Unterricht
  • Greifen und Begreifen

Schulpraxis

Beispiele für Hilfsmittel

Die Schülerschaft im Förderschwerpunkt kmE ist höchst heterogen, so dass ein umfassendes Repertoire an Hilfsmitteln zum Einsatz kommt. Dieses Repertoire verändert sich stetig (z. B. technischer Fortschritt). Ein Hilfsmittel ist meist individuell auf die Schülerinnen und Schüler angepasst, so dass ein gleichartiges Hilfsmittel je nach Schülerin bzw. Schüler unterschiedlich aussehen und eingesetzt werden kann. 

Die nachfolgende Darstellung ist daher als exemplarische Auswahl zu verstehen.

Mit Rollatoren, Gehhilfen oder Stöcken können sich die Schülerinnen und Schüler bei eingeschränkter Fußmotorik gehend fortbewegen. 

Ist die Motorik stärker beeinträchtigt (oder als Ergänzung bei längeren Strecken), ermöglichen Rollstühle Mobilität. Die Bandbreite reicht hier von Aktivrollstühlen, die über Handbewegungen an den Rädern bewegt und gesteuert werden, bis hin zu voll elektrisch angetriebenen und gesteuerten Rollstühlen.     

Stehständer oder Rollstühle mit Stehfunktion unterstützen die Stehfähigkeit und Körperhaltung.

→ Aktivierung des Herz-Kreislauf-Systems, Unterstützung der Atmung

→ aufrechte Körperhaltung verändert die Perspektive, Begegnung mit anderen „auf Augenhöhe“

Adaptierte Scheren ermöglichen es den Schülerinnen und Schülern bei eingeschränkter Feinmotorik oder beeinträchtigten bzw. fehlenden Gliedmaßen zu schneiden. Zum Beispiel:

→ Scheren mit verschiedenen Griffen, falls einzelne Finger nicht bzw. nicht unabhängig voneinander bewegt werden können (siehe rote, schwarze, blaue Schere im Bild ): Statt „Durchgreifen“ kann die Schere zwischen Daumen und die anderen Finger geklemmt werden; größere Öffnungen ermöglichen ein Durchgreifen mit mehreren Fingern …

→ Brettscheren (siehe grüne Schere im Bild) stehen fest am Tisch. Für den Schneidevorgang reicht es aus, oben auf die Schere zu drücken. Wird Papier geschnitten, wird die Schnittlinie durch die Bewegung des Papiers bestimmt (Das Papier kann z. B. auch durch eine personale Unterstützung bewegt werden).

Adaptierte Stifte ermöglichen durch verschiedene Griffe verschiedene Greifhaltungen.
→ Ist der gesamte Stift adaptiert (siehe rechter Stift im Bild) wird er i.d.R. in mehreren Fächern verwendet und nicht bzw. seltener zwischen verschiedenen Stiften gewechselt (z. B. Schreiben und Zeichnen mit demselben Stift)
→ Sind Griffanpassungen bzw. Griffverdickungen auf die Stifte aufgesetzt, kann ein Großteil der handelsüblichen Stifte verwendet werden. Teilweise kann die Griffadaption – ggfls. mit personaler Unterstützung – auch in überschaubarer Zeit auf andere Stifte gewechselt werden.
→ Griffadaptionen ermöglichen ein besseres Greifen der Stifte und erleichtern so vielfach auch die Kraftdosierung. Grundlage bleibt jedoch, im Unterricht einen zu den individuellen motorischen Kompetenzen passenden Stift zu nutzen.

Beispiele für die Integration von Hilfsmitteln in den Unterricht

Wie ein Hilfsmittel in den Unterricht integriert und die Schülerinnen und Schüler bei dessen Anwendung gefördert werden können, hängt vom jeweiligen Hilfsmittel und den unterrichtlichen Rahmenbedingungen und Zielsetzungen ab.

Im Rahmen der Bewegungsförderung geht es vor allem darum, möglichst viele Anlässe zum Einsatz der Mobilitätshilfen zu schaffen. Zum Beispiel:

→ Lernortwechsel im Unterricht einplanen (z. B. Holen/Bringen von Materialien im Rahmen geöffneter Unterrichtsformen, Arbeit an Stationen, Unterrichtsphasen an verschiedene Orte im Klassenzimmer binden: z. B. gemeinsamer Beginn und Abschluss im Kreis vor der Wandtafel, Arbeitsphasen an verschiedenen Arbeitsplätzen im Klassenraum ...)

→ Klassendienste und Botengänge (z. B. Hol- und Bringdienst zum Sekretariat, Auf- und Abbau von Präsentationstechnik, ...)

Arbeitsmaterial selbst holen lassen (z. B. Arbeitsblätter nicht austeilen, sondern zentral für alle Schülerinnen und Schüler zum eigenen Holen auslegen, ...)

→ Lernorte außerhalb des Klassenzimmers nutzen (weitere Klassenzimmer und Fachräume, Flure und Aula, Orte am Schulgelände wie Pausenhof oder Außenflächen, Exkursionen und Klassenfahrten, ...)

Sofern der Zeitpunkt zur Nutzung flexibel festgelegt werden kann, bieten sich Unterrichtsphasen an, in denen die Schülerinnen und Schüler für längere Zeit am selben Lernort verbleiben können. So wird ein fremdbestimmtes "Verschieben" der Schülerinnen und Schüler im Stehständer minimiert.

Hinweise zur Inklusion

Auf Hilfsmittel angewiesene Schülerinnen und Schüler benötigen ihre Hilfsmittel unabhängig von ihrem jeweiligen Förderort. Spezifische Hilfsmittel sind eine Grundvoraussetzung gemeinsamen Lernens (vgl. z. B. WALTER-KLOSE 2012, 72). 

Empirisch zeigt sich, dass Kinder und Jugendliche mit Körperbehinderung teilweise auf Hilfsmittel verzichten, wenn der Einsatz soziale Probleme mit sich bringt (vgl. WALTER-KLOSE 2012, 371). Sie versuchen, „Sonderrollen zu vermeiden und auf Hilfsmittel zu verzichten, die sie von ihren Mitschülern [und Mitschülerinnen] unterscheiden“ (2012, 372). 

Bedeutend ist daher, einen pädagogischen Rahmen zu schaffen, in welchem sich die Schülerinnen und Schüler in Ihrem „So-Sein“ – und dazu gehören auch die jeweiligen Hilfsmittel – akzeptiert fühlen und ihre Hilfsmittel ohne soziale Folgen einsetzen können.

Mobiler Sonderpädagogischer Dienst

Den Einsatz von Hilfsmitteln in die Unterrichtsplanung zu integrieren und die Schülerinnen und Schüler bei der Anwendung zu unterstützen, stellt hohe Anforderungen an die Lehrkraft im inklusiven Unterrichtssetting. Der Mobile Sonderpädagogische Dienst bietet hierzu Unterstützung an.

ISB Infobrief: MSD kmE

 

Newsletter

Hier können Sie sich für einen oder mehrere ISB-Newsletter an- und abmelden. Sie erhalten dann eine E-Mail zur Bestätigung und Auswahl der ISB-Newsletter.