Schulpraxis

Förderbedarf körperliche und motorische Entwicklung (kmE)
Sonderpädagogischer Förderbedarf kmE hat komplexe Ursachen und offenbart sich in überaus unterschiedlichen Erscheinungsformen. Um die eigene (oder schulweite) Haltung zu entwickeln, sind oftmals spezifische Informationen und die Unterstützung von Personen notwendig, die im Förderschwerpunkt kmE fachlich ausgebildet sind.
Besprechen Sie daher den individuellen Förderbedarf Ihrer Schülerin bzw. Ihres Schülers mit der Fachkraft des MSD kmE. Diese unterstützt sie dabei, die individuellen Dispositionen und Entwicklungsmöglichkeiten einzuschätzen.
Die Haltung wird in Interaktion und Kommunikation der Lehrkraft beobachtbar, indem sie…
• … die Akzeptanz gegenüber der Schülerin bzw. dem Schüler direkt verbalisieren („Es ist ok, dass…“; „Ich weiß, dass…“)
• … die Akzeptanz gegenüber der Klassengemeinschaft verbalisieren („Es ist ok, dass Nina…“)
• … die Schülerinnen und Schüler vor der Klasse wahrnehmbar in Schutz nimmt, wenn diese wegen personaler Eigenschaften unberechtigter Kritik ausgesetzt sind.
Eine Haltung der Akzeptanz wird auch dadurch erlebbar, dass die Lehrkraft selbst ihre Besonderheiten und Schwierigkeiten kennt und diese offen thematisiert. Wenn Lehrerinnen und Lehrer über ihre eigenen Unzulänglichkeiten offen sprechen und wenn sie Fehler eingestehen können, so kann dies die Schülerinnen und Schüler dazu ermutigen, die eigenen Einschränkungen wahrzunehmen und anzuerkennen. Insofern wirken die Akzeptanz, die Lehrkräfte sich selbst gegenüber öffentlich zum Ausdruck bringen und das Gefühl des „Akzeptiert-werdens“ der Kinder und Jugendlichen zusammen.
Eine körperliche Einschränkung kann in die Auseinandersetzung mit Unterrichtsinhalten hineinwirken und zu besonderen Reaktionen der Schülerinnen und Schüler führen, je nach dem wie sehr sie von den Themen in spezifischer Weise betroffen sind.
So konfrontieren etwa humanbiologische Themen mit der eigenen Körperlichkeit, bei Fragen des gesellschaftlichen Zusammenlebens spielt auch das Thema „Umgang mit Behinderung“ eine zentrale Rolle, in ethisch-religiösen Auseinandersetzungen ist etwa die Theodizee-Frage von besonderer Relevanz.
Die mögliche Betroffenheit der Schülerinnen und Schüler kann in der Unterrichtsplanung bedacht werden, indem etwa Vorabsprachen mit den Schülerinnen und Schülern getroffen oder Rückzugsmöglichkeiten und Gesprächsangebote eingeplant werden. Trotzdem kann nicht jede Betroffenheit vorher abgeschätzt oder durch Maßnahmen aufgefangen werden: Auch bei umsichtiger Planung können so schwierige Situationen auftreten oder der ursprünglich intendierte Unterrichtsverlauf sich als nicht durchführbar erweisen.
Hinweise zur Inklusion
Eine akzeptierende Haltung ist in besonderer Weise Grundlage gelingender inklusiver Beschulung. Um diese Haltung zu entwickeln kann es hilfreich sein …
• … Ängsten und Befürchtungen im Vorfeld mit Respekt zu begegnen und diese ernst zu nehmen
• … mit Behinderungen offen umzugehen (Thematisierung der Behinderung im Klassenverband; transparenter Umgang mit Nachteilsausgleichen)
• … sozial-integrative Lernprozesse zu gestalten (z.B. Anti-MobbingTraining, Besprechungsstunden im Klassenverbund)
• … Diskriminierungen offensiv entgegenzutreten
• … Begegnungen mit einer peer-group / anderen Menschen mit Behinderung zu ermöglichen (vgl. SINGER 2015, 172ff.).
Vorheriger Artikel:
Grundlagen
Nächster Artikel: