Sprachfördernde Unterrichtsgestaltung

1. Wie kann die Lehrkraft die Lernvoraussetzungen neuer Schüler/innen ermitteln?
Es ist zu klären, ob die Schülerin oder der Schüler alphabetisiert ist. Oftmals werden die lateinischen Buchstaben nicht beherrscht. Handelt es sich um einen Besuch in der Grundschule, eignet sich eine genaue Absprache mit den Lehrkräften der Jahrgangsstufe 1, wann die einzelnen Buchstaben eingeführt werden. In diesen Stunden (nur in diesen!) können die Sprachanfänger in die Jahrgangsstufe1 wechseln und so die Schriftsprache erlernen.

Alphabetisierung

Nach Möglichkeit führt die Klassenlehrkraft (Deutsch- und Mathematiklehrkraft), eventuell auch die Förderlehrkraft, eine Lernstandsdiagnose durch.
Diese kann auch auf der Beobachtung und Beschäftigung mit der Schülerin/dem Schüler in den ersten Tagen basieren. (Wichtige Fragen: Hat der Schüler eine Schule besucht, wenn ja, wie lange, wo? Gibt es größere Lücken? Ist der Schüler lateinisch alphabetisiert? Ist  die Schülerin/der Schüler überhaupt alphabetisiert?)

Sprachliche Voraussetzungen können mit Einsatz eines Screening-Verfahrens ermittelt werden (z. B. Petra Hölscher „Neu in Deutschland - Sprachkenntnisse und Lernvoraussetzungen ermitteln"). Falls der/die Schüler/in bereits Grundkenntnisse der deutschen Sprache mitbringt, empfiehlt sich gegebenenfalls eine Sprachprofilanalyse (z. B. Wilhelm Grießhaber, Profilbogen).

Sprachdiagnostik

2. Welche Methoden können im Unterricht zur Sprachförderung hilfreich sein?
Im Unterricht werden geeignete Medien (z. B. Bild-, Wortkarten, digitale Medien) eingesetzt.
  • Das Anlegen eines „Sprachtagebuches“ birgt für alle am Lernprozess Beteiligten einen Vorteil, da hier die Wortschatzerweiterung visuell gut festgehalten werden kann. Einfache Begrüßungs- und Abschiedsformeln, ebenso kurze Sätze zur Vorstellung der eigenen Person, aber auch sprachliche Inhalte wie „Schulsachen“, „Körper“, „Kleidung“, „Obst und Gemüse“, „Tiere“ usw. werden in dieses Arbeitsheft als Bildmaterialien geklebt und beschriftet. Die Beschriftung in deutscher Sprache erfolgt durch die Schülerin/den Schüler selbst oder die Lehrkraft, die Beschriftung in der Muttersprache kann die Schülerin/der Schüler oder ein Elternteil vornehmen. Diese Vorgehensweise dient zum einen der Wertschätzung der Muttersprache und erleichtert zum anderen das Erlernen der deutschen Sprache (Übersetzung visualisiert). Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass die Eltern den Spracherwerbsprozess mit verfolgen und das Kind darin unterstützen, gleichzeitig aber auch selbst die deutsche Sprache (zumindest Wortschatz) gemeinsam mit dem Kind erwerben können.
  • Arbeit mit Bildwörterbüchern (viele Sprechanlässe, dialogisches Lesen als Methode, s. Literaturtipps)
  • Schülerpatinnen und -paten unterstützen die neue Schülerin oder den neuen Schüler in den ersten Tagen. Differenzierte Aufgaben sind in der Regel unumgänglich, aber auch gemeinsames Bearbeiten von Aufgaben in Partnerarbeit bietet Möglichkeiten zur Mitarbeit und stärkt den Zusammenhalt.
  • Einfache Phrasen werden gut sicht- und lesbar im Klassenzimmer angebracht (mit Bildunterstützung) – z. B. Begrüßungsformeln, einfache Sätze und Fragen (z. B. „Ich habe das nicht verstanden.“ „Kann ich zur Toilette gehen?“)
  • Die neue Schülerin oder der neue Schüler wird von Anfang an in den Unterrichtsverlauf eingebunden (eventuell Sätze vorsprechen, wiederholen lassen, Gefühl für Sprachmelodie entwickeln).
  • In Wochenplan- oder Freiarbeitsphasen beschäftigt sich die Lehrkraft individuell mit der neuen Schülerin/dem neuen Schüler (Kennenlernen, Vertrauensaufbau).
  • Als Ausgangspunkt für Wortschatzarbeit in Themenfeldern können Szenen aus Mr. Bean-Filmen sehr motivierend sein (z. B. Freizeit, Weihnachten, etc.).
  • Positiver Umgang mit Fehlern
  • Ideen für die sprachliche Weiterarbeit:
  - Erkundung der neuen Umgebung verknüpft mit Wortschatzarbeit 
  - Besuch kultureller Einrichtungen
  - Einüben kurzer Sätze mit Piktogrammen aus verschiedenen geeigneten Themenfeldern
  - Erstellen von Themenclustern als Grundlage für kurze Alltagsszenen (Rollenspiel)

Sprachförderung
3. Was kann die Lehrkraft tun, wenn das Kind sich der Kommunikation entzieht?
Häufig sind zugewanderte Kinder und Jugendliche aufgrund der Sprachdefizite im Deutschen noch etwas kommunikationsscheu. Diese Schülerinnen und Schüler müssen zunächst „ankommen“, soziale Kontakte und Freundschaften in einer neuen Umgebung knüpfen sowie sich in ihrer „Sprachnotsituation“ zurechtfinden lernen. Daher ist Lehrkräften anzuraten, junge Zuwanderer in der Klasse nicht ständig zum Sprechen aufzufordern, sondern eher Unterrichtssituationen zu schaffen, bei welchen sie zur Kommunikation angeregt werden. Insbesondere spielerische Formen (z. B. theaterpädagogische oder nonverbale Spiele) in der Klassengemeinschaft können positive Anreize hierfür schaffen.

Auch eine Patenschaft durch Mitschülerinnen oder Mitschüler kann hilfreich sein, Sprachbarrieren abzubauen. Falls der Schüler oder die Schülerin sich nach ca. sechs Monaten immer noch unkommunikativ und am Unterricht desinteressiert zeigt, sollte man in Erwägung ziehen, ob eine schulpsychologische Beratung sinnvoll wäre.

Belastungsreaktionen bei Kindern und Jugendlichen
4. Wie erhalten die Eltern die wichtigsten Informationen?
Eine enge Zusammenarbeit der Schulleitung und aller betroffenen Lehrkräfte mit den Eltern unterstützt den Kommunikationsfluss.

Der Flyer informiert über Grundlagen wie Stundenplan, Entschuldigung bei Erkrankungen, Schulmaterialien, Ansprechpartner, bayerisches Schulsystem, etc.

http://www.isb.bayern.de/download/16081/flyer_fluechtlingseltern.pdf
 
Informationen zum Schulsystem sind auf der Homepage des Kultusministeriums aktuell in den folgenden Sprachen erhältlich: englisch, französisch, spanisch, türkisch, arabisch, russisch, tschechisch

http://www.km.bayern.de/ministerium/schule-und-ausbildung/schularten.html
(Die fremdsprachigen Graphiken erhält man durch Klick auf die Flaggen oben links.)

Zusammenarbeit mit Eltern
Kommunikation mit Eltern (an Ganztagsschulen)

Ansprechpartner

Sprachförderung / Sprachdiagnostik

Deutsch als Zweitsprache / Grundschule

Deutsch als Zweitsprache / Mittelschule