Organisatorische Starthilfen

1. Ab wann sind Flüchtlingskinder schulpflichtig?
Für alle Kinder und Jugendlichen im schulpflichtigen Alter besteht 3 Monate nach der Registrierung (BAMF) Schulpflicht. Die Eltern werden per Post über die Schulanmeldung (meist Sprengelschule) informiert.
2. Was ist bei der Schulanmeldung mit fremdsprachigen Eltern zu beachten?
Wenn möglich, wird ein Dolmetscher oder eine Dolmetscherin hinzugezogen (z. B. Schülerinnen/Schüler, Eltern), um die grundlegenden Informationen (Geburtsdatum, -ort, etc.) zu erhalten. Bei Schwierigkeiten können die Daten beim Schulamt erfragt werden.

Um ausführlichere Informationen über das Kind und seinen Hintergrund (z. B. Sprachstand, Schulbildung, etc.) einzuholen, können mehrsprachige Anamnesebögen eingesetzt werden. In diese Bögen tragen die Eltern relevante Informationen zu ihrem Kind ein. Die Fragestellung ist jeweils auf Deutsch und in der Fremdsprache abgedruckt. Die Antworten müssen dann natürlich übersetzt werden.
(Beispiel: Lilli Jedik, "Anamnesebogen für zweisprachige Kinder")
3. Woher erhalten neue Schülerinnen und Schüler die benötigten Schulmaterialien?
Da es keine generelle Regelung gibt, wird empfohlen, dass die Schule selbst ein erstes Angebot zur Verfügung stellt.

Dies kann ein „Begrüßungspaket“ sein, das beispielsweise eine Mappe mit Elterninformationen, einen Aufkleber mit dem Namen, der Adresse und Telefonnummer der Schule, den Namen der Klassenlehrkraft, ein Hausaufgabenheft, einen Stundenplan, eine Einkaufsliste, eine Klassenliste, evtl. ein Klassenfoto, einen Gutschein für ein Pausenbrot am ersten Schultag, stichpunktartige Informationen zum Schulalltag (wenn möglich in verschiedenen Sprachen), Stadtplan, Vordrucke für Krankmeldungen, Sprechhilfen für Anrufe im Sekretariat, etc.) enthält.

s.auch Integration - Materialien

Es hat sich bewährt, ein „Notfallpaket“ an Schulmaterial bereit zu halten (Hefte, Block, Schreibmaterial), damit die Schülerin/der Schüler zeitnah mitarbeiten kann. Finanzielle Hilfen für Schulmaterial müssen oft erst beantragt werden und es gilt die Zeit bis zur Entscheidung zu überbrücken.

Für die Finanzierung derartiger Materialien können Firmen, ein Förderverein oder soziale Einrichtungen als Spender angesprochen werden.

Wird eine Einkaufsliste ausgegeben, sollten die entsprechenden Produkte im Klassenzimmer (als Plakat oder als ausgelegtes Material) visualisiert werden. 
4. Welche Verständigungsmöglichkeiten hat die Lehrkraft bei fehlenden Deutschkenntnissen seitens der Schülerinnen und Schülern?
Hilfreich ist häufig der Einsatz visueller Mittel (Piktogramme), um das Verständnis zu erleichtern. Entsprechende kostenfreie (z. B. http://www.clipartsfree.de) und kostenpflichtige (z. B. http://www.metacom-symbole.de/) Piktogrammsammlungen sind im Netz verfügbar.
5. Wie kann man Schülerinnen und Schüler im Schulgebäude willkommen heißen?
Im Eingangsbereich der Schule befinden sich Begrüßungsformeln in verschiedenen Sprachen, von Schülerinnen und Schülern gestaltet. Wenn auch nicht alle möglichen Sprachen erfasst werden können, so steigt doch mit der Anzahl die Wahrscheinlichkeit, dass die Herkunftssprache der neu ankommenden Kinder und Jugendlichen sich darunter befindet. Piktogramme - auch von den Schülerinnen und Schülern erstellt - können als Wegweiser dienen.

Das Schulpersonal (Kollegium, aber auch Verwaltungskräfte, Hausmeister, …) ist darüber informiert, dass Familien mit Kindern ohne Kenntnisse der deutschen Sprache ins Haus kommen.

Dem Kollegium steht eine Liste zur Verfügung mit eventuellen Ansprechpartnern, die über Sprachkenntnisse verfügen, die im Kontakt mit den neuen Familien hilfreich sein könnten. 
Es werden Führungen durch das Haus (dabei auch Sporthalle, Pausenhof, Mensa, Fachräume, Schulgarten, etc. besichtigen) mit Wortkarten und Sprechübungen (eventuell mit Mitschülerinnen und Mitschülern) angeboten. Dabei lernen Schülerinnen oder Schüler eventuell das Personal kennen (z. B. Schulleitung, Verwaltungskräfte, Hausmeister).

Im Idealfall steht (neben der Klassenlehrkraft) noch eine weitere feste Bezugsperson unterstützend zur Verfügung (Patin/Pate, eventuell ehrenamtliche externe Partner). In vielen Orten gibt es dafür bereits private Initiativen. Auch bereits integrierte Schülerinnen oder Schüler mit derselben Herkunftssprache können in die Beratung einbezogen werden.
6. Wie kann man Schülerinnen und Schüler in ihrer Klasse willkommen heißen?
Die Schülerin/der Schüler wird in der Klasse begrüßt. Die Begrüßungen können auch weiter in den Schulalltag integriert werden, z. B. dadurch, dass jede Woche ein anderer Guten-Morgen-Gruß aus den verschiedenen Herkunftsländern der Schülerinnen und Schüler genutzt wird.

Die Schülerinnen und Schüler können ihr Herkunftsland auf der aushängenden Weltkarte suchen. Eventuell kann dies die neue Mitschülerin oder der neue Mitschüler selbst zeigen.
 
In der Klasse hängen Steckbriefe bzw. Fahnen der verschiedenen Herkunftsländer.

Um eine eventuelle Angst vor der neuen Sprache zu verringern, eignen sich Gesprächsrunden mit einfachen Phrasen wie „Wie geht es dir?“. Es ist sinnvoll, solche ersten Alltagssätze der Schülerin oder dem Schüler als Wortkarten mit nach Hause zu geben (Motivation).
7. Gibt es Spiele, die man einsetzen kann, um das Kennenlernen zu erleichtern?
Interkulturelles Begrüßungsspiel: 
Die Schülerinnen und Schüler sitzen in einem Kreis. Jede Schülerin/jeder Schüler stellt sich vor, indem sie/er seinen Namen spricht und ihn auf ein Blatt Papier schreibt. 
Mögliche Ergänzungen:
  • Blätter mit den Namen und Fotos der jeweiligen Begrüßungsriten aufhängen
  • Begrüßungsrituale wiederholen und mit anderen Inhalten verknüpfen (z. B. Zahlen, Wochentage: „Heute ist Montag.“ auch in der Herkunftssprache vor- und nachsprechen)
Spiele im Unterricht sind gut geeignet, um eine Schülerin/einen Schüler in die Klassengemeinschaft zu integrieren und erste Lernerfolge zu ermöglichen. Geeignet sind international bekannte Spiele (z. B. Mensch-ärgere-dich-nicht, Schach), Spiele aus einem bestimmten Kulturkreis (Backgammon, Hus Bao) oder kooperative Spiele. Hier ist nonverbale Kommunikation möglich, die Schülerin/der Schüler erlernt sich wiederholende Floskeln („Du bist dran.“), einen neuen Wortschatz, darüber hinaus wird die Sprachbarriere leichter aufgehoben.

Bewegungsspiele/Sport: für jüngere Schüler sind angeleitete Kinderspiele wie Fangen geeignet; für ältere Jugendliche z. B. ein gemeinsames Fußballspiel.
8. Wie können Mitschülerinnen oder Mitschüler als Paten eingesetzt werden?
An vielen Schulen gibt es Schülerpatinnen und –paten. Diese können insbesondere auch „ältere“ Schülerinnen und Schüler der Übergangsklasse sein, da sie sich gut in die Situation eines Neuankömmlings hineinfühlen können. Wenn möglich, übernimmt die Patenschaft für eine neue Schülerin/einen neuen Schüler ohne Sprachkenntnisse eine Schülerin oder ein Schüler aus demselben Herkunftsland oder mit derselben Herkunftssprache (Dolmetscher, Grammatik-Helfer). Auch eine gemeinsame Fremdsprache kann genutzt werden. Aber auch dann, wenn sich niemand findet, der sich mit der neuen Schülerin oder dem neuen Schüler verständigen kann, können zuverlässige, empathische Schülerinnen und Schüler diese Aufgabe übernehmen.
9. Wie kann die Klassengemeinschaft in den ersten Tagen bei der Eingewöhnung helfen?
Am ersten Schultag sollte vor der ersten Pause festgelegt werden, welche Schülerinnen und Schüler die neue Schülerin oder den neuen Schüler in die Pause begleiten. Diese Aufgabe können die Patinnen und Paten (geschlechterspezifisch – Toilette!) übernehmen.

Die Schülerinnen und Schüler der Klasse (auch einer Übergangsklasse) sollten immer wieder für besondere Bedürfnisse neuer Schülerinnen und Schüler sensibilisiert werden („Notsituationen“ ansprechen, wie z. B. Toilette nicht finden, Namen vergessen, etc.).

Im Klassenzimmer werden gemeinsam die wichtigsten Wörter (Singular, Plural) ausgehängt: Stuhl, Schreibtisch, Tafel, Waschbecken, Fenster, etc. Diese Beschriftung bleibt, bis das Vokabular geläufig ist.
Die Ursprungsklasse zeigt den Neuankömmlingen die üblichen Reaktionen auf Lehreranweisungen:
z. B. „Bitte steht auf/setzt euch.“ – „Bitte wische die Tafel.“ – 
„Bitte öffne/schließe das Buch.“ – „Schreibt das bitte ab.“ – 
„Schließe/öffne bitte das Fenster.“ 
Solche Anweisungen können mit Fotos ergänzt und als Poster im Klassenzimmer aufgehängt werden. 
10. Gibt es unterstützende finanzielle Mittel für den Einsatz von Dolmetschern?
Um Schulen unbürokratisch und flexibel unterstützen zu können, standen erstmals 2016 erhebliche finanzielle Mittel für Drittkräfte zur Verfügung. Diese Mittel können u. a. für den Einsatz von Dolmetschern für Elterngespräche in Einzelfällen eingesetzt werden.

Um die Mittel nutzen und Maßnahmen anbieten zu können, wenden Lehrkräfte sich an ihre jeweilige Schulleitung. Die Abwicklung erfolgt über die Sachgebiete 43 des jeweiligen Regierungsbezirks.

Genauere Informationen s.
https://www.km.bayern.de/pressemitteilung/9960/nr-047-vom-26-02-2016.html