Schulpflicht und Schulbesuch

1. Wie gestaltet sich die Schulpflicht für Flüchtlingskinder?
Grundsätzlich werden Flüchtlingskinder im Schulalter (6-15 Jahre) nach drei Monaten Aufenthalt in Bayern schulpflichtig. Gemäß Artikel 28 der UN-Kinderrechtskonvention hat jedes Kind das Recht auf Zugang zu Bildung und Schulunterricht.
2. In welche Klassen werden Flüchtlinge innerhalb des bayerischen Schulsystems aufgenommen?
Schulpflichtige Flüchtlinge werden bereits drei Monate nach Ankunft mit Bildungsangeboten versorgt.

Nach der Flüchtlingsregistrierung durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge werden schulpflichtige Kinder- und Jugendliche über die Regierung an die Schulämter gemeldet.
Diese richten an Grund- und Mittelschulen optional Übergangsklassen ein. Daneben haben die Schulen die Möglichkeit, Deutschförderklassen oder Deutschförderkurse zu bilden (s.u.). Die Schülerinnen und Schüler können auch in Regelklassen (plus flankierende Fördermaßnahmen) aufgenommen werden.

Für berufsschulpflichtige Flüchtlinge und Asylbewerber sind Berufsintegrationsklassen (BIK/V) und Sprachintensivklassen eingerichtet.

An einigen Realschulen wird das Modellprojekt SPRINT ("Sprachförderung intensiv") durchgeführt.

Einige Gymnasien fürhen das Modellprojekt InGym ("Integration am Gymnasium") oder das Projekt "Sprachbegleitung" durch.

(ausführliche Informationen s.u.)

Weitere Hinweise: 
https://www.km.bayern.de/ministerium/schule-und-ausbildung/foerderung/sprachfoerderung.html
3. Was sind Übergangsklassen?
Übergangsklassen werden für Schülerinnen und Schüler angeboten, die als Quereinsteiger in das bayerische Schulsystem eintreten und nur rudimentäre oder gar keine Deutschkenntnisse haben. Die Grundlage für den Unterricht in der Übergangsklasse stellt der Lehrplan Deutsch als Zweitsprache dar. Durch stark differenzierte Unterrichtsformen sollen die Schülerinnen und Schüler besonders in der deutschen Sprache gefordert und gefördert werden und bei entsprechendem Lernfortschritt in der deutschen Sprache in die entsprechende Jahrgangsstufe der Regelklasse zurückgeführt werden.

(Quelle: https://www.km.bayern.de/ministerium/schule-und-ausbildung/foerderung/sprachfoerderung.html)
4. Was sind Deutschförderklassen?
In einer Deutschförderklasse werden Schülerinnen und Schüler aus der Regelklasse (Stammklasse) zusammengefasst, die keine oder sehr geringe Deutschkenntnisse haben. Deutschförderklassen können in allen Jahrgangsstufen der Grund- und Mittelschulen eingerichtet werden. Sie umfassen ca. 12 Schülerinnen und Schüler, die in ausgewählten Fächern den Unterricht getrennt von ihrer Stammklasse erhalten, in den übrigen Fächern nehmen sie am Unterricht ihrer Stammklasse teil. Der gemeinsame Unterricht dient insbesondere der Integration.
Insgesamt gilt für die Deutschförderklasse die in der Stundentafel für die jeweilige Jahrgangsstufe ausgewiesene Pflichtstundenzahl. Die Deutschförderklasse kann bis zu zwei Schuljahre bestehen, die Dauer hängt vom individuellen Fortschritt im Erlernen der deutschen Sprache ab. Auch während des Schuljahres können Schülerinnen und Schüler – gegebenenfalls auch sukzessive - in die Stammklasse zurückgeführt werden, d.h. sie nehmen dann komplett am Unterricht in deutscher Sprache teil.

In den Jahrgangsstufen 1 bis 7 erhalten die Kinder bis zu zwei Jahre lang eine auf das Erlernen der deutschen Sprache und auf ihre Grundkenntnisse und Grundfertigkeiten bezogene Förderung mit dem Ziel, in ihre Stammklasse zu wechseln und dort – falls erforderlich mit begleitenden Hilfen – ihre Schullaufbahn erfolgreich fortzusetzen. Jugendliche Späteinsteiger, die in eine Deutschförderklasse der Jahrgangsstufe 8 aufgenommen werden, sollen in den verbleibenden zwei Jahren zum erfolgreichen Abschluss der Mittelschule und ggf. zum Erwerb des qualifizierenden Abschlusses der Mittelschule geführt werden.

Dieses Modell stellt sicher, dass
  • auf der einen Seite der kompakte Deutschunterricht in der Deutschförderklasse die Schülerinnen und Schüler zügig an den erforderlichen Leistungsstand heranführt
  • und auf der anderen Seite die Isolation und Gettoisierung dieser Kinder überwunden wird.
  • Ziel ist es, die Kinder soweit zu fördern, dass sie je nach ihrer Leistungsentwicklung nach einem oder nach zwei Jahren ohne Zeitverlust voll in ihre Regelklasse eingegliedert werden können und dort ihre Schullaufbahn erfolgreich fortsetzen.

(Quelle: https://www.km.bayern.de/ministerium/schule-und-ausbildung/foerderung/sprachfoerderung.html)
5. Was sind Deutschförderkurse?
Deutschförderkurse verstehen sich in erster Linie als begleitende Fördermaßnahme für Schülerinnen und Schüler mit nichtdeutscher Muttersprache in Regelklassen der Grund- oder Mittelschule. (…)

Das Staatliche Schulamt entscheidet auf Grundlage eines Förderkonzeptes über die Stundenzuteilung für die einzelnen Schulen.
Grundsätzlich erhält jede Schülerin und jeder Schüler, der an einem Deutschförderkurs teilnimmt, im Zeugnis eine Bewertung im Fach Deutsch als Zweitsprache. Ebenso erfolgt eine solche Bewertung, wenn eine Schülerin oder ein Schüler zwar keinen Deutschförderkurs besucht, aber nach den Grundsätzen des Lehrplans für Deutsch als Zweitsprache unterrichtet wird. Umfasst der Deutschförderkurs mindestens fünf Wochenstunden, so erfolgt die Zeugnisbewertung ausschließlich auf der Basis der Leistungserhebungen, die in diesem Kurs absolviert werden. Bei Deutschförderkursen im Umfang von einer bis vier Wochenstunden werden die hier erbrachten Leistungen in angemessener Weise berücksichtigt.

Deutschförderkurse an der Grundschule im Umfang von einer bis vier Wochenstunden finden zusätzlich zum regulären Deutschunterricht statt. An der Mittelschule kann dafür ganz oder teilweise eine Befreiung vom übrigen Unterricht (nicht nur Deutschunterricht) ausgesprochen werden. Für Deutschförderkurse im Umfang von fünf oder mehr Stunden ist eine Befreiung vom Unterricht in der entsprechenden Stundenzahl notwendig.

(Quelle:  https://www.km.bayern.de/ministerium/schule-und-ausbildung/foerderung/sprachfoerderung.html)
6. Was sind Berufsintegrationsklassen?
In Bayern werden zahlreiche berufsschulpflichtige Flüchtlinge und Asylbewerber in Berufsintegrationsklassen (BIK/V) beschult. Diese richten sich an Berufsschulpflichtige ohne Ausbildungsplatz, die über keine oder nur eingeschränkte Deutschkenntnisse verfügen.
Grundlegendes Ziel der zweijährigen Maßnahme, bestehend aus Berufsintegrationsvorklasse und Berufsintegrationsklasse, ergänzt durch die Sprachintensivklasse ist die Aneignung von Kompetenzen, die für eine erfolgreiche Berufsausbildung und eine gelingende Integration erforderlich sind.
 
(s. https://www.km.bayern.de/ministerium/schule-und-ausbildung/integration-und-sprachfoerderung.html)
7. Welche Angebote gibt es in Realschulen und Gymnasien?
Jugendliche mit Realschul- oder Gymnasialeignung können unter bestimmten Voraussetzungen auch andere weiterführende Schulen besuchen. An bayerischen Realschulen werden sukzessive SPRINT-, an Gymnasien InGym-Klassen eingerichtet.

Informationen zur Integration und Sprachförderung an Gymnasien und Realschulen
Informationen zum Modellprojekt SPRINT
Flyer InGym