Grundschule: Schulorganisatorische Fragen

1. Wer trifft die Entscheidung über die Klassenstufe?
Das Staatliche Schulamt entscheidet über die Einrichtung von Deutschfördermaßnahmen und weist die Schülerinnen und Schüler der Sprengelschule bzw. einer Übergangsklasse (dem Alter enstprechend) zu.
Die Schulleitung entscheidet über die Zuweisung in eine bestimmte Klassenstufe. Sie kann die Schülerin oder den Schüler bis zu zwei Jahre zurückstufen. Dabei sind die Sprachkenntnisse und die Entwicklung des Kindes zu berücksichtigen.
2. Wie kann man mit einem Kind umgehen, das Schwierigkeiten hat, sich an den schulischen Alltag zu gewöhnen?
Wenn ein Kind große Schwierigkeiten hat, sich in den alltäglichen Unterrichtsablauf einzugewöhnen, kann man z. B. in Absprache mit Erziehungsberechtigten oder – bei unbegleiteten Flüchtlingskindern - in Absprache mit dem Vormund das Kind auch zeitlich befristet an einzelnen Schultagen kürzer beschulen (z. B. Ein Monat lang nur vier Schulstunden täglich). Dabei handelt es sich nicht um eine Ordnungs- /Erziehungsmaßnahme nach BayEUG.
In solchen Fällen muss Rücksprache mit der Schulleitung gehalten werden.
3. Wie lange kann die Notengebung bei Kindern ohne Deutschkenntnisse in Regelklassen ausgesetzt werden?
Die Dauer einer Notenaussetzung ist nicht festgelegt. Über eine zeitweilige Notenaussetzung entscheidet die Lehrerkonferenz (s. GrSO § 11, Abs. 2). Die Notenaussetzung kann entweder nur für das Fach Deutsch, aber auch für mehrere oder alle Fächer festgelegt werden – je nach den individuellen Voraussetzungen des Kindes.
In Bezug auf die Dauer der Notenaussetzung muss eine Abwägung im Einzelfall unter pädagogischen Gesichtspunkten erfolgen. Es ist sinnvoll, die Notwendigkeit der Notenaussetzung im Halbjahresrhythmus zu überprüfen.
Vor allem im Hinblick auf den Übertritt sollte eine genaue Elternberatung stattfinden, da der Übertritt an Realschule und Gymnasium nur mit einer Deutschnote (nicht DaZ) sowie Noten für Mathematik und Heimat- und Sachunterricht möglich ist.
Aus der Übergangsklasse kann man nicht direkt an RS/GYM übertreten.
 
Gesetzestexte zur Notenaussetzung:
BayEug Art. 52 Abs.2 Satz 3
GrSO: §11, Abs.2
MSO: §13, Abs. 2
 
s. hier, Frage 8
4. Welche Sprachdiagnostik empfiehlt sich?
Sprachliche Voraussetzungen können mit Einsatz eines Screening-Verfahrens ermittelt werden (z. B. Petra Hölscher „Neu in Deutschland - Sprachkenntnisse und Lernvoraussetzungen ermitteln"). Falls der/die Schüler/in bereits Grundkenntnisse der deutschen Sprache mitbringt, empfiehlt sich gegebenenfalls eine Sprachprofilanalyse (z. B. Wilhelm Grießhaber, Profilbogen).

s. auch LEA-Diagnostik zur Alphabetisierung:
s. auch Sprachdiagnostik
5. Wie werden schriftliche Leistungsnachweise im Fach Deutsch bzw. DaZ durchgeführt und bewertet?
In einer Regelklasse bearbeiten die Schülerinnen und Schüler mit sprachlichen Schwierigkeiten die gleichen Leistungsnachweise wie ihre Mitschüler. In pädagogischer Verantwortung darf die Lehrkraft den Schülerinnen und Schülern mit nichtdeutscher Herkunftssprache jedoch Hilfestellungen zukommen lassen (z. B. zusätzliche Erklärungen zu Fragestellungen, Nutzung von (Bild-)wörterbüchern, Zeitzuschlag). Die Bewertung der Leistungsnachweise wird nicht verändert.

Basiert der Deutschunterricht ganz oder zum Teil auf dem LehrplanPLUS DaZ, so beziehen sich die Leistungsnachweise auf die Inhalte des DaZ-Lehrplans. Somit kann ein regulärer Leistungsnachweis im Deutschunterricht z. B. für die Gruppe der nach DaZ-Lehrplan unterrichteten Kinder angepasst/differenziert werden. Alternativ können Leistungsnachweise für die beiden Gruppen (Deutsch/DaZ) unabhängig voneinander durchgeführt werden.
 
s. hier, Frage 3
6. Müssen Hilfestellungen, die bei Leistungsnachweisen den Schülern mit Migrationshintergrund in Regelklassen gegeben werden, im Zeugnis erwähnt werden?
Die in pädagogischer Verantwortung gegebenen Hilfestellungen für Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund werden nicht in die Zeugnisbemerkungen aufgenommen.
 
Begründung:
Es handelt sich hierbei nicht um Notenschutz, der ausschließlich in den in § 34 BaySchO  konkret benannten Fällen gewährt wird.
 
Mögliche Hilfestellungen, die es dem Lernenden ermöglichen, alle Teilbereiche eines Leistungsnachweises zu bearbeiten:
- Zeitzuschlag wegen der Verwendung eines Wörterbuches bzw. des Verständnis des Textes/der Aufgaben in der Fremdsprache Deutsch
- schriftliche Leistungsnachweise werden in mündlicher Form erbracht (v.a. zu Beginn des Unterrichts in Deutschland)
- stärkere Gewichtung mündlicher Leistungsnachweise vs. schriftlicher Leistungsnachweise
- andere/einfachere Formulierung der identischen Aufgabenstellung
- zusätzliche Erklärungen durch Lehrkraft
- zusätzlich bereitgestelltes (Anschauungs-)Material (z. B. Bilder)
- …
7. Welche Informationen benötigen Eltern im Kontext der Leistungserhebungen?
In Regelklassen sollten den Eltern vorab notwendige Zeugnisbemerkungen erläutert werden, z. B. Hinweise bei Verwendung von Hilfsmitteln.

Die Erziehungsberechtigten von Kindern der  Jahrgangsstufe 4 sollten davon in Kennntis gesetzt werden, dass sie die Möglichkeit haben, eine Note im Fach Deutsch zu beantragen, sofern der Deutsch-Unterricht zumindest teilweise besucht wird. Dies ist Voraussetzung für den Übertritt in eine Realschule oder ein Gymnasium (s. Frage 3).

Wenn Schüler von der Übergangsklasse in die Regelklasse wechseln, sollte eine intensive Elternberatung stattfinden, in der auch über eventuelle Unterschiede bei der Leistungserhebung informiert wird.
8. Erhalten Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund (Regelklasse) eine Zeugnisnote in Deutsch oder DaZ?
Basiert der Unterricht ganz oder zum Teil auf dem LehrplanPLUS DaZ, so erhält die Schülerin/der Schüler eine Gesamtnote in DaZ.
9. Wie werden Leistungsnachweise in Übergangsklassen durchgeführt und bewertet?
In Übergangsklassen besteht aufgrund der Vielfalt der Schülervoraussetzungen eine große pädagogische Freiheit für die Lehrkräfte. Der DaZ-Lehrplan ist Grundlage für den Unterricht im Fach Deutsch als Zweitsprache. Leistungsnachweise beziehen sich ausschließlich auf den DaZ-Lehrplan. Sie können differenziert erstellt und bewertet werden, z. B. nach drei oder mehr Leistungsgruppen.
10. Was muss bei Zeugnissen in der Übergangsklasse beachtet werden?
Entsprechend dem Alter wird für die Erstellung des Zeugnisses die Zeugnismaske der jeweiligen Jahrgangsstufe verwendet.
(Alterseinstufung/Übergangsklasse: Diese wird von den Schulen selbst durchgeführt und mit den Schulämtern abgestimmt. Grundlage für die Einstufung ist das Bay EUG Art. 36, Abs. 3.)
 
Die Schülerinnen und Schüler erhalten eine Note im Fach DaZ. In den anderen Fächern werden die regulären Noten und Bemerkungen verfasst (wie bei Regelschlülern).

Im Feld individuelle Lernentwicklung sollten z. B. für die folgenden Fälle ergänzende Bemerkungen aufgeführt sein:
„Die Schülerin/Der Schüler besucht seit … die Übergangsklasse … .“
 „Die Schülerin/Der Schüler wird in Mathematik nach dem Lernstoff der zweiten/dritten/vierten Jahrgangsstufe unterrichtet.“
„Aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse ist die Schülerin/der Schüler in (Teilbereichen des Faches z. B. Sachaufgaben) Mathematik von der Bewertung  ausgenommen.“
„Die Note in Deutsch als Zweitsprache bezieht sich allein auf die mündlichen Fähigkeiten.“
 
Schülerinnen und Schülern der Übergangsklasse, die altersmäßig der 4. Jahrgangsstufe zuzuordnen sind, erhalten im Gegensatz zu Regelschülerinnen und –schülern weder einen Zwischenbericht noch ein Übertrittszeugnis.
11. Wie erfolgt der Übertritt von Übergangsklassen in Regelklassen?
Der Übertritt von der Übergangs- in die Regelklasse erfolgt spätestens nach 2 Schuljahren, kann jedoch auch zu einem früheren Zeitpunkt stattfinden. Kinder, bei denen die Sprachkenntnisse soweit entwickelt sind, dass sie voraussichtlich am Unterricht der Regelklasse teilnehmen können, hospitieren z. B. zunächst für einige Wochen in der Regelklasse. Der Übertritt erfolgt dann meist zum Halbjahr oder zum Schuljahresbeginn.

Wenn Schüler von der Übergangsklasse in die Regelklasse wechseln, sollte eine intensive Elternberatung stattfinden, in der auch über eventuelle Unterschiede bei der Leistungserhebung informiert wird.
12. Welche Übertrittsmöglichkeiten von Übergangsklassen auf Realschule/Gymnasium gibt es?
Der Übertritt von der Übergangsklasse der Grundschule (Ü1 bzw. Ü3) direkt in die Realschule oder das Gymnasium ist nicht möglich.
Voraussetzung für den Übertritt ist (neben Noten in Mathematik und HSU) eine Note im Fach Deutsch. In einer Übergangsklasse wird allerdings immer Deutsch als Zweitsprache unterrichtet. Die notwendige Deutschnote kann nur in der Regelklasse auf Basis des Fachlehrplans Deutsch erworben werden (§6 Abs. 5 GrSO).
In der Übergangsklasse wird kein Übertrittszeugnis ausgestellt. Dies gilt z. B. auch für Schülerinnen und Schüler im zweiten Besuchsjahr, die altersgemäß der 4. Jahrgangsstufe zuzuordnen sind. Sie erhalten ein Zwischen- bzw. Jahreszeugnis. Im Jahreszeugnis der Übergangsklasse wird keine Eignung für die weiterführenden Schulen ausgesprochen.
Der Übertritt auf Realschule oder Gymnasium ist nur über den Zwischenschritt Regelklasse möglich.

Die gezielte sprachliche Förderung in der Übergangsklasse bereitet auf den Besuch der Regelklasse vor. Daher ist der Verbleib in der Übergangsklasse auf zwei Jahre beschränkt. Ein Wechsel in die Regelklasse sollte schnellstmöglich erfolgen. Schülerinnen und Schüler der Übergangsklasse, die altersgemäß der 4. Jahrgangsstufe zuzuordnen sind, treten an die Mittelschule über und besuchen dort, je nach Verweildauer in der Ü-Klasse und den vorhandenen Deutschkenntnissen, eine Übergangs- oder Regelklasse.

Individuelle Aufnahme am Gymnasium:
Schülerinnen und Schüler, die nach Jahrgangsstufe 5 zuwandern und über eine gymnasiale Vorbildung, nicht aber über ausreichende Sprachkenntnisse im Deutschen verfügen, können gemäß § 8 GSO n.F. als Gastschülerinnen und Gastschüler individuell am Gymnasium aufgenommen werden. Damit sind sie Schülerinnen und Schüler der besuchten Schule und müssen gemäß § 8 Satz 2 GSO n.F. am Unterricht in allen Pflicht- und Wahlpflichtfächern teilnehmen, soweit sie der Schulpflicht unterliegen.
vgl. KMS Nr. V.4 – BS5306 – 6b.89155

Für Seiteneinsteiger in höhere Jahrgangsstufen gibt es die Projekte InGym (Gymnasium) und SPRINT (Realschule).

Informationen zur Integration und Sprachförderung an Gymnasien und Realschulen
Informationen zum Modellprojekt SPRINT (s. Frage 3)
Flyer InGym

KMS Nr. V.4 – BS5306 – 6b.89155
KMS Nr. V.4 - BS5306 - 6b.102151
13. Wie erfolgt Religions-, Ethikunterricht, Islamischer Unterricht?
Der Religions- bzw. Ethikunterricht ist ein Pflichtunterricht und findet wöchentlich 2-stündig statt. Ausnahme bilden hier die Jahrgangsstufen 3 und 4, in welchen der Religionsunterricht dreistündig angeboten wird. Die Schülerinnen und Schüler werden - sofern sie einer der beiden christlichen Großkirchen angehören – ihrer Konfession entsprechend zugeteilt.
Schülerinnen und Schüler, die nicht am katholischen oder evangelischen Religionsunterricht teilnehmen, besuchen in der Regel das Fach Ethik (Entscheidung der Erziehungsberechtigten). Ausnahmen sind hierbei der christlich-orthodoxe sowie der israelitische Religionsunterricht, die meist als schulübergreifendes Angebot außenunterrichtlich angeboten werden. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieses Angebots sind vom regulären Religions- und Ethikunterricht befreit und erhalten ihre Note von den Kultusgemeinden.
Der derzeit noch im Modell befindliche Islamische Unterricht wird momentan an gut 300 Schulen bayernweit angeboten und bietet ein alternatives Unterrichtsfach zum kath./evang. Religions- und Ethikunterricht. Junge Muslime müssen hierfür von ihren Erziehungsberechtigten angemeldet werden, denn eine direkte Zuweisung aufgrund der Zugehörigkeit zu einer islamischen Gruppierung erfolgt nicht.