Digitale Transformation: Austausch zwischen Bayern und Prag
Wie gestalten unsere tschechischen Nachbarn die digitale Zukunft im Bildungsbereich? Die Teilnehmenden einer Erasmus+-Mobilität ziehen Bilanz nach einem dreitägigen Studienaufenthalt in Prag.
Im Dialog mit dem NPI
Ende April 2026 war eine Delegation – bestehend aus Mitarbeitenden des ISB, des bayerischen Kultusministeriums sowie der ALP – zu Gast beim Nationalen Pädagogischen Institut (NPI) in Prag. Ziel der Reise war ein intensiver Austausch über die digitale Transformation im Bildungswesen. Dabei traten bei aller Unterschiedlichkeit in den organisatorischen Ansätzen beachtliche Schnittmengen in der pädagogischen Zielsetzung zutage.




Digitale Strategie und Praxis
Im Austausch wurden unterschiedliche Ansätze zur Bereitstellung digitaler Dienste und Werkzeuge für Schulen vorgestellt. In Bayern steht hierfür unter anderem die BayernCloud Schule (ByCS) als zentrale Infrastruktur zur Verfügung. In Tschechien werden ebenfalls verschiedene digitale Plattformen und Anwendungen für Kommunikation, Zusammenarbeit und Unterricht genutzt. Deutlich wurde dabei, dass digitale Schulentwicklung in beiden Ländern unter jeweils eigenen organisatorischen und bildungspolitischen Rahmenbedingungen gestaltet wird.
Trotz der infrastrukturellen Unterschiede eint beide Länder der Fokus auf die pädagogische Arbeit. Sowohl in Bayern als auch in Tschechien finden gleichermaßen vielfältige und hochwertige mediendidaktische Projekte statt. Auch der Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Unterricht sowie die Frage nach deren methodischer Integration werden in beiden Ländern intensiv vorangetrieben. Unterstützt wird dieser Prozess in Tschechien durch ein nationales Strategiepapier des Bildungsministeriums (MŠMT), das als verbindlicher Orientierungsrahmen eine konsistente digitale Entwicklung im gesamten Land sicherstellt.
Besuch einer Leuchtturmschule
Ein besonderes Highlight war der Besuch der „Next Zone“, einem Innovationsprojekt an der Smíchovská střední průmyslová škola a gymnázium (SSPS). Diese Schule ist weit über die Grenzen Prags hinaus für ihre Vorreiterrolle in der digitalen und technischen Bildung bekannt. Der dortige Schulleiter nutzt die ausgeprägten Handlungsspielräume, über die tschechische Schulen beispielsweise bei der Personalwahl und der pädagogischen Ausrichtung verfügen, in vollem Umfang. Dies macht die SSPS zu einer absoluten Modellschule mit einer engen Verzahnung von Unterricht und wirtschaftlicher Praxis: Schülerinnen und Schüler gründen Startups, kooperieren direkt mit Unternehmen und leben ein flexibles Zeitmodell – inklusive einer 4-Tage-Woche, die Eigenverantwortung und Selbstorganisation in den Fokus rückt.
Inspirierender Perspektivwechsel
Die Reise nach Prag hat gezeigt, dass es nicht den einen Königsweg der Digitalisierung gibt. Doch trotz unterschiedlicher organisatorischer Rahmenbedingungen eint uns das Ziel, Lehrkräfte bestmöglich zu unterstützen und Schülerinnen und Schüler zu mündigen Bürgern in einer digitalen Welt zu machen. Das ISB nimmt aus diesem Austausch wichtige Impulse für die eigene Arbeit mit und stärkt die europäische Vernetzung in der Bildungsforschung.




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