Lernförderliches Feedback - Grundlagen
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In einer förderlichen Lern- und Prüfungskultur geht es darum, Rückmeldungen nicht nur am Ende einer Lerneinheit im Zusammenhang mit einer Leistungserhebung zu geben, sondern kontinuierliches, individualisiertes Feedback während des gesamten Lern- und Leistungsprozesses als festen Bestandteil des Schulalltags zu verankern.
Prüfen und Bewerten gehören zur alltäglichen Arbeit von Lehrkräften. Leistungserhebungen sind dabei auch als pädagogisches Diagnoseinstrument zu verstehen. Sie geben Einblick in aktuelle Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler und bilden den Ausgangspunkt für das weitere Lernen. Erkenntnisse aus der Bildungsforschung verweisen auf die lernförderliche Wirksamkeit eines differenzierten, individuellen Feedbacks, das Schülerinnen und Schülern die nächsten Schritte auf ihrem Lernweg aufzeigt und ihnen hilft, Verantwortung für das eigene Lernen zu übernehmen. Ein lernförderlicher Umgang mit Leistung sollte daher Hand in Hand mit einer sich verändernden Lernkultur und dem Aufbau einer lernförderlichen Feedbackkultur gehen.
Nach John Hattie ist Feedback im Kern die Information, die die Lücke zwischen dem aktuellen Können (Ist-Stand) und dem angestrebten Lernziel (Soll-Stand) schließt.
Damit diese Information wirksam ist, sollten alle Akteure des Unterrichts daran beteiligt sein und da Feedback in verschiedene Richtungen wirkt, sollte es auch in alle Richtungen fließen. Deshalb sollte nicht nur Lehrkräftefeedback, sondern auch Schülerinnen- und Schülerfeedback, Peer-Feedback und Selbstreflexion gleichermaßen im Unterricht eingesetzt werden.
Wirkung von lernförderlichem Feedback
- Motivation: Positive, prozessbezogene Rückmeldungen steigern die Anstrengungsbereitschaft.
- Interesse: Das Lerninteresse steigt, wenn die Rückmeldung informativ, verständlich und anschlussfähig ist. Die Aufgabenbearbeitung wird als bedeutsam erlebt.
- Selbstkonzept: Rückmeldungen auf Prozess- oder Selbstregulationsebene stärken das Selbstwirksamkeitserleben und fördern ein positives Selbstkonzept.
- Lernfortschritt: Besonders lernschwächere Schülerinnen und Schüler profitieren nachweislich von regelmäßigem Feedback, das konkrete Umsetzungshinweise enthält.
Verfahren wie Feedbackgespräche, Kompetenzraster oder Peer-Feedback wirken nur dann nachhaltig, wenn sie regelmäßig, verständlich und systematisch eingesetzt werden. Entscheidend ist ihre Verankerung in einer tragfähigen schulischen Feedbackkultur, die auf einer geteilten pädagogischen Haltung beruht: Rückmeldung wird als integraler Bestandteil des Lernprozesses verstanden – eingebettet in Vertrauen, Dialog, Zieltransparenz und Fehlerfreundlichkeit. Eine fest etablierte Feedbackkultur an Schulen unterstützt sowohl die individuelle Lernentwicklung der Schülerinnen und Schüler als auch die Unterrichtsentwicklung der Lehrkräfte.
Gelingensbedingungen für den Aufbau einer schulischen Feedbackkultur
- Klare Zielorientierung: Verfahren wie Lernentwicklungsgespräche oder Kompetenzraster sind nur wirksam, wenn sie mit konkreten Lernzielen verknüpft werden.
- Strukturierte Peer- und Selbstreflexionsverfahren: Klare Kriterien und Anleitungen ermöglichen zielgerichtete und motivierende Rückmeldungen.
- Digitalisierung mit pädagogischem Unterbau: Digitale Anwendungen müssen didaktisch sinnvoll eingebettet und datenschutzkonform genutzt werden, um Wirkung zu entfalten.
- Unterstützung durch digitale und KI-gestützte Anwendungen: Besonders in großen Klassen können digitale und KI-gestützte Anwendungen Lehrkräfte bei Feedbackgesprächen und Portfolios praktisch unterstützen.
- Nachhaltige schulische Verankerung: Einzelmaßnahmen entfalten ihre Wirkung nur, wenn sie Teil einer gelebten Feedbackkultur mit verbindlichen Bewertungspraktiken sind.
Damit Rückmeldungen wirksam sind, genügt der Einsatz geeigneter Feedback-Instrumente allein nicht. Lernförderliche Effekte entstehen nicht automatisch, sondern nur unter Berücksichtigung bestimmter Qualitätsmerkmale. So sind Rückmeldungen nur dann lernförderlich, wenn sie zielgerichtet, kriteriengeleitet, individuell und idealerweise zeitnah erfolgen.
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Lernförderliche Funktion entfaltet Feedback (nach Helmke, 2022), wenn es die Lücke zwischen dem aktuellen Lernstand und dem zu erreichenden Lernziel sichtbar macht und konkrete Hilfestellungen enthält, wie Lernende diese Lücke schließen können.
Der neuseeländische Pädagoge und Wissenschaftler John Hattie hat gemeinsam mit Helen Timperley ein Modell entwickelt, das den Feedbackprozess auf vier Ebenen betrachtet und drei Funktionen von Feedback anspricht.
Rückmeldungen sollten sich im schulischen Kontext allerdings nur auf die ersten drei Ebenen beziehen und nicht auf die Ebene der Person, da sich z. B. allgemeines Lob oder Tadel auf der Ebene des Selbst empirisch als nicht lernförderlich erwiesen hat.
Ebenen des Feedbacks (nach Hattie und Timperley, 2007):
Ebene der Aufgabe
„Wie gut wurde die Aufgabe erledigt?“
Ebene des Prozesses
„Was muss getan werden, um die Aufgabe zu verstehen / zu meistern?“
Ebene der Selbstregulation
„Was muss der Lernende / die Lernende tun, um sein Lernen selbst zu steuern, zu lenken, zu überwachen?“
Person/das Selbst
„Wie werden die eigene Person und Gefühle bewertet? Welches Mindset ist vorhanden?“
Feedback ist nach Hattie und Timperley besonders effektiv, wenn Rückmeldungen alle drei Funktionen von Feedback berücksichtigen und die Lernenden dadurch Antworten auf alle drei damit verbundenen, lernrelevanten Fragen bekommen.
Funktionen von Feedback mit lernrelevanten Fragen (nach Hattie und Timperley, 2007):
Feed up:
Was ist mein Ziel? Wo soll es hingehen?
Feed back:
Was habe ich schon geschafft? Wie gut komme ich voran?
Feed forward:
Was kommt als nächstes? Was sind die nächsten Schritte?
Rückmeldungen sind besonders wirksam, wenn die Lernenden
- durch einen Soll-Ist-Abgleich mit konkreten Lernzielen wissen, wo sie im Lernprozess stehen.
- Informationen zur Qualität ihrer eigenen Arbeit bzw. ihrem Arbeitsverhalten erhalten.
- konkrete Vorschläge und Angebote erhalten, wie sie ihre Schwierigkeiten gezielt beheben können.
- konkrete Hinweise zur Weiterentwicklung ihres Lernverhaltens und ihrer Leistungsfähigkeit bekommen und nutzen können.
- die Möglichkeit erhalten, das Feedback umzusetzen.
- dazu angeregt werden, ihre Lernprozesse zunehmend eigenständig zu gestalten.
- ihre besonderen Fähigkeiten erkennen und darin unterstützt werden, diese gezielt weiter auszubauen.
Die Lernenden werden so gezielt zur Reflexion angeregt und durch konkrete Hinweise individuell bei ihrer Lernentwicklung unterstützt. Wenn es gelingt, Schülerinnen und Schülern transparent zu machen, was sie bereits geleistet haben, und welche Entwicklungsmöglichkeiten bestehen, kann damit auch ihre Leistungsbereitschaft und Leistungszuversicht gefördert werden.
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Damit Feedback im Unterricht seine volle Wirkung entfaltet, reicht es nicht aus, nur Rückmeldungen zu geben. Entscheidend ist, wie die Informationen des Feedbacks bei den Lernenden ankommen, wie sie diese verarbeiten und wie sie damit weiterarbeiten können. Eine effektive Feedbackkultur ist daher kein bloßer Austausch von Informationen, sondern ein Beziehungs- und Lernprozess, der auf drei Säulen basiert.
Die drei Säulen der Feedbackkultur
Vertrauen und positive Fehlerkultur:
Feedback braucht einen geschützten Raum. Wenn Fehler als natürliche Lernchancen akzeptiert werden, wächst die Bereitschaft, Rückmeldungen aktiv anzunehmen.
Progression des Lernens:
Die Feedbackkompetenz der Schülerinnen und Schüler muss Schritt für Schritt aufgebaut werden. Nach John Hattie sollte sich die Rückmeldung bei Anfängern unmittelbar auf die Aufgabenbearbeitung beziehen. Für fortgeschrittene Anfänger kann die Rückmeldung auf der Ebene des Lernprozesses erfolgen und Vorschläge für alternative Lernstrategien enthalten. Rückmeldungen zur Selbst-Steuerung des Lernens sind erst bei Fortgeschrittenen sinnvoll, da erst dann eine bewusste Reflexion der Lernstrategien möglich ist.
Perspektivwechsel:
Feedback ist keine Einbahnstraße. Durch gezielte Fragen zu Lernprozess, Motivation und Emotionen erfahren Lehrkräfte, wie ihre Schülerinnen und Schüler den Unterricht erleben – eine wertvolle Basis für die künftige Planung.
Damit dieser Dialog zwischen Lehrenden und Lernenden gelingt, müssen beide Seiten dieselbe „Sprache“ sprechen. Nur wenn über Lernziele, Fortschritte und nächste Schritte konsensfähig kommuniziert wird, kann Lernen für alle Beteiligten sichtbar werden.
Durch regelmäßige Rückmeldungen, die stets die drei Ebenen des Feedbacks (Aufgabe – Prozess – Selbstregulation) im Blick haben und Antworten auf die drei lernrelevanten Fragen – Wo soll es hingehen? (feed up) – Wo stehe ich jetzt? (feed back) – Wie komme ich zum Ziel? (feed forward)) – geben, kann bei den Schülerinnen und Schülern ein lernförderlicher Selbstreflexionsprozess angestoßen werden, der für selbstreguliertes Lernen unverzichtbar ist und Lernende beim bewussten Einsatz von Lernstrategien unterstützt.
Einsatz von Feedback zur Unterstützung der Selbstreflexionsprozesse von Lernenden
Klarheit über den IST-Zustand:
Wo stehe ich? Wie ist mein aktueller Lern-/ Leistungsstand? Wie habe ich diesen erreicht? Was hat gut funktioniert? Was hat noch nicht geklappt?
Einschätzung zum aktuellen Lerngegenstand:
Welches Thema ist zu bearbeiten? Was brauche ich dazu? Was sind meine Ziele?
Einschätzung zum aktuellen Lernfortschritt:
Wie gut komme ich voran? Wie könnte ich mein Lernen noch optimieren? Welche anderen Strategien könnte ich ausprobieren? Wer oder was könnte mir hier weiterhelfen? Wer könnte mich unterstützen?
Fokussierung auf die nächsten Lernschritte:
Was ist mein nächster Schritt? Wieviel Zeit habe ich noch? Wie gehe ich konkret vor?
Indem wir diese gemeinsame Sprache etablieren, wandeln wir Feedback von einer punktuellen Rückmeldung in ein kontinuierliches Werkzeug zur individuellen Lernbegleitung und Kompetenzentwicklung um.
Informieren Sie sich dazu auch im Kapitel “Lernstark - Erfolgreich lernen, Leistung zeigen” und erfahren Sie, wie Sie Ihre Schülerinnen und Schüler konkret unterstützen können.
Ein erstes Fazit: Feedback muss also
- sprachlich verständlich und möglichst positiv formuliert sein.
- Handlungsorientierung (feed forward) beinhalten.
- an individuelle Lernvoraussetzungen angepasst sein.
- regelmäßig stattfinden und den Lernenden Raum zur Umsetzung des Feedbacks bereitstellen.
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Selbstlernkurs der ALP Dillingen
Lernförderliches Feedback - Grundlagen
In diesem Selbstlernkurs beschäftigen Sie sich mit den Grundlagen für effektives und lernförderliches Feedback:
- Auf welchen Ebenen ist Feedback lernförderlich?
- Welche Fragen beantwortet effektives Feedback?
- Welches Ziel verfolgt lernförderliches Feedback?
Empfohlene Zitierweise
(2026): Lernförderliches Feedback - Grundlagen. In: "". Verfügbar unter: https://www.isb.bayern.de/aktuelles/isb-prisma/pruefungskultur/feedbackkultur-im-kompetenzorientierten-unterricht/lernfoerderliches-feedback-grundlagen/
Abbilungs- & Literaturverzeichnis
Abbildungsnachweis
- Bildnachweis zum Vorschaubild der Seite: © Anja v. Klitzing für ISB





