Effiziente Umsetzung der Prüfung
Wahl der Sozialform
Wie bei allen Leistungsnachweisen ist die vorbereitende Unterrichtssequenz zentral für die Vertrautheit der Schülerinnen und Schüler mit den Abläufen und erwarteten Leistungen. Nachteilen unterschiedlicher Formate kann durch eine geschickte Vorbereitung erfolgreich begegnet werden; ebenso entstehen Vorteile der Formate durch die stimmige Übung im Vorfeld.
Einzelprüfung
Vorteile:
- keine Abhängigkeit von der Äußerung des Gegenübers
- Konzentration auf eigenes monologisches Sprechen
Nachteile
- bei großer Lerngruppe vergleichsweise hoher zeitlicher Aufwand
- keine Möglichkeit, die Gesprächsfähigkeit/Interaktion zu beurteilen
Tipps für die Vorbereitung
- Absprachen mit der Schulleitung im Vorfeld
Vorteile
- besonders geeignet in der Unterstufe zum Sammeln von Erfahrungen mit dem noch neuen Prüfungsformat
- Lebendigkeit des mündlichen Interaktionsgeschehens durch zielgerichteten Austausch mit Kommunikationspartner bzw. -partnerin
- Erwerb und Ausbau sozialer Kompetenzen sowie authentischer Kommunikations- und Diskursstrategien
- zeitlich weniger Aufwand als bei Einzelprüfungen
- Interaktionsfähigkeit kann bewertet werden
- Aufgrund der – insbesondere auf unteren Niveaustufen – noch überschaubaren sprachlichen Äußerungen ist der Einsatz eines Zweitprüfers nicht immer erforderlich
Nachteile
- „Abhängigkeit“ des jeweiligen Prüflings vom Kommunikationsgeschick sowie der sprachlichen Kompetenz des Gegenübers
- Gefahr der Dominanz bei den Gesprächsanteilen bei einem Gesprächspartner bzw. einer Gesprächspartnerin, auf die kein Dritter ausgleichend einwirken kann
- inhaltliche Aspekte und Meinungen zu einem Thema sind möglicherweisen enger gefasst (nur zwei statt drei Perspektiven)
Tipps für die Vorbereitung
- frühzeitige Zusammensetzung des Duos zum gemeinsamen Üben
- Einbindung der Schülerinnen und Schüler bei der Wahl des Prüfungspartners bzw. der Prüfungspartnerin
- klare Ankündigung des Bewertungskriteriums „aktives Zuhören“/ „Einbindung des Gegenübers in das Gespräch“ und Bereitstellung von geeignetem sprachlichen Material in den Übungsphasen (z. B. Fragen an den Gesprächspartner bzw. die Gesprächspartnerin, um Meinung einzuholen)
- ausreichend sprachliches und inhaltliches Material zur Verfügung stellen
- Feedbackkultur im Vorfeld berücksichtigt auch Fähigkeit zum Einbringen nicht-eigener Perspektiven
Vorteile
- vergleichsweise geringerer zeitlicher Aufwand bei der Durchführung, da weniger Gruppen zu bilden sind
- Erwerb und Ausbau sozialer Kompetenzen sowie authentischer Diskursstrategien
- besonders geeignet, wenn Prüflinge mit Prüfungsformat der Partnerprüfung bereits vertraut sind und darauf aufbauen können
- auf höheren Lernniveaus sehr gewinnbringende Diskussion von komplexeren Sachverhalten, da authentischer – auch überwiegend kontrovers und dialektisch geprägter – Austausch zu relevanten Themen des jeweiligen Lehrplans
- Interaktionsfähigkeit ist bewertbar
Nachteile
- Gruppenkonstellation kann Kommunikationsgeschehen stark beeinflussen (Unterschiede im Bereich der sprachlichen und sozialen Kompetenzen)
- aussagekräftige Bewertung einer größeren Lerngruppe macht u. U. den Einsatz eines Zweitprüfers erforderlich (insbesondere beim Mitprotokollieren wesentlicher Aspekte des Gesprächsverlaufs sowie inhaltlicher und sprachlicher Aspekte)
- möglicherweise Zurückhaltung eines Einzelnen, den eigenen Standpunkt zu vertreten, wenn dieser sich von der Mehrheit unterscheidet
- Gruppen benötigen meist länger, einen Kompromiss zu finden, was bei einer vorgegebenen Zeit die Diskussion einschränken kann
Tipps für die Vorbereitung
- Einüben der Prüfungssituation bereits im Unterricht in den entsprechenden Gruppenkonstellationen trägt zum Ausbau von gegenseitigem Vertrauen und somit zu einem gewinnbringenden Kommunikationsgeschehen bei
- Schülerwünsche in Bezug auf den Prüfungspartner bzw. die Prüfungspartnerin nach Möglichkeit berücksichtigen
- Zufallsprinzip nur dann ansetzen, wenn Prüflinge im Vorfeld der Prüfung genügend Zeit erhalten, sich in den Übungsphasen auf die Gesprächspartner bzw. -partnerinnen einzustellen
- Einüben von Gesprächsstrategien
- Möglichkeit, über Themenstellung ausgewogene Meinungsäußerung zu ermöglichen
- Verweis bereits im Vorfeld der Prüfung, dass – insbesondere bei leistungsheterogenen Gruppen – proaktive Verhaltensweisen, die dem Kommunikationsgeschehen zuträglich sind, bei der Bewertung der Interaktionsfähigkeit positiv aufscheinen
Organisation von Räumen und Personal
Die folgenden Beobachtungen sollen den Schulen als Hilfestellung dienen, die Ressourcen bestmöglich zu nutzen.
Räume
Entscheidungshilfen
Bei Prüfungen im Face-to-Face-Format sollte die kommunikative Wirkung des Raumes nicht vernachlässigt werden: Die Prüfungssitzordnung ermöglicht Blickkontakt und lässt auch nonverbale Signale in das Kommunikationsgeschehen mit aufnehmen.
Bei der Planung der mündlichen Prüfung ist es hilfreich, sich zunächst einen Überblick von der Raumsituation der Schule zu verschaffen.
Personal
Zweitprüfer
Um den Einstatz eines Zweitprüfers sinnvoll abzuwägen, empfehlen sich folgende Überlegungen:
Personal
Zusätzliche Aufsicht bzw. Aufsichten
Aufgrund der Chancengleichheit für die Schülerinnen und Schüler kommen Nachaufsichten zum Einsatz, wenn Prüfungsgruppen dieselbe Aufgabe erhalten. Durch gezielte Maßnahmen wie das Zulosen von Prüfungsaufgaben aus einem Aufgabenpool der Fachschaft, der jährlich anwächst und dadurch variiert, können Nachaufsichten jedoch auch eingespart werden. So ist sichergestellt, dass keinem Prüfling durch evtl. vorhergegangenen Austausch mit Mitschülerinnen oder Mitschülern ein Vorteil entsteht. Auch bei modular aufgebauten Prüfungen (d. h. Trennung der Prüfungsteile in monologische und dialogische Aufgaben mit jeweils neu zu ziehenden Aufgaben) sichern die sich durch Zufall ergebenden Kombinationsmöglichkeiten den Neuigkeitswert der jeweiligen Prüfung.
Abbildungsnachweis
- Bildnachweis zum Vorschaubild der Seite: © ISB
Vorheriger Artikel:
Gestaltung von Prüfungsaufgaben
Nächster Artikel: