Vorwort
„Wozu eigentlich noch Moderne Fremdsprachen lernen, wenn doch in fünf Jahren KI ohnehin alles übernimmt?“

Vergleichbare Aussagen Heranwachsender werden zwischenzeitlich in etlichen Klassenzimmern diskutiert und fordern Lehrkräfte wie Schulleitungen in hohem Maße fachlich und pädagogisch heraus.

Die Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) gehen rasant voran und verändern schon jetzt den Alltag stark. Seit der Kommerzialisierung der Technologie von Large Language Models (LLM) haben Veränderungen im Eiltempo Einzug in den Unterricht und die Lehre der Modernen Fremdsprachen gefunden. Die Annahme, dass moderne KI-basierte Anwendungen die Arbeit der Fremdsprachenlehrkräfte in Frage stellen könnten, besorgt auch manche Lehrkräfte und wird angesichts der allgegenwärtigen Verfügbarkeit der Anwendungen auch durch einzelne Eltern mitunter kritisch geäußert.
Dass die Annahme, KI könne den fremdsprachlichen Kompetenzerwerb überflüssig machen, zu kurz greift, liegt auf der Hand: Ein qualitativ hochwertiger Unterricht am Gymnasium beinhaltet so viel mehr als eine rein mechanistische Übertragung von Sätzen von einer in die andere Sprache oder die Umsetzung eines Formulierungsauftrags. Denken, fühlen, handeln, Beziehungen aufbauen: Alles, was Menschsein ausmacht, wird über verbale und non-verbale Äußerungen vermittelt und ausgetauscht. Authentischer menschlicher Kommunikation kommt daher mehr denn je eine Schlüsselrolle zu und macht es notwendig, Lernende zu spontanen, in ihrer Aussage differenzierten und situativ passenden Äußerungen in der Fremdsprache und im zielkulturellen Kontext zu befähigen. Es ist ein immens wichtiges pädagogisches und fachliches Erfordernis, dies den Schülerinnen und Schülern zu vermitteln.
Gleichzeitig bieten KI-basierte Anwendungen hervorragende Möglichkeiten, um den Spracherwerb zu beschleunigen, zu individualisieren und in vielfältiger Weise zum Wohl der Lerner zu differenzieren. Schülerinnen und Schülern zu vermitteln, wie sie KI-basierte Anwendungen zum eigenen Vorteil im Spracherwerb nutzen können, wird zweifellos an Bedeutung zunehmen.
Die vorliegende Praxishilfe hat daher das Ziel, Lehrkräften der Modernen Fremdsprachen Impulse für die Verwendung von generativen KI-Anwendungen sowie einen ersten Fundus an Unterrichtsideen und praktischen Vorschlägen für den Unterrichtsalltag im modernen Fremdsprachenunterricht zu bieten. Nicht zuletzt will sie durch diese Anregungen Zuversicht und das Bewusstsein vermitteln, das KI-basierte Anwendungen den Unterricht zweifellos verändern werden, aber auch eine Chance für den verbesserten, intensivierten Spracherwerb bieten.
Klar ist, dass bei der Nutzung von KI-basierten Anwendungen auch im Fremdsprachenunterricht, dessen Herz die menschliche Kommunikation ist, ein besonderes Augenmerk der Medienerziehung gelten muss: Bei beiden Aspekten sind in naher Zukunft Herausforderungen und Chancen zu erwarten, die dieser Leitfaden noch nicht vollständig abbilden kann, die aber mit großer Aufmerksamkeit im Unterricht berücksichtigt werden müssen.
Dem Autorenteam ist bewusst, dass sich aufgrund der Geschwindigkeit der technischen Weiterentwicklung weder Einsatzpotential noch Herausforderungen und Gefahren von KI-basierten Anwendungen hier erschöpfend darstellen lassen. Manche Information mag bereits zum Erscheinungszeitpunkt fast überholt sein. Insbesondere Anwendungen, die auf dem sog. Reasoning-Prinzip[1] basieren, haben keinen Eingang in die hier vorgestellte Arbeit mit KI-Anwendungen gefunden.
Wir sind davon ausgegangen, dass die Vorerfahrungen der Lehrkräfte mit KI-basierten Anwendungen unterschiedlich sind. Den Einstieg haben wir daher bewusst niederschwellig angelegt, sind aber überzeugt, dass auch bereits versierte Nutzerinnen und Nutzer Anregungen für ihre Unterrichtspraxis aus dieser Handreichung erhalten können.
[1]Reasoning-Modelle analysieren und interpretieren Fragestellungen eigenständig und eignen sich besonders für spezialisierte Gebiete (z. B. Mathematik, Logik, Forschung).
Die vorliegende Veröffentlichung behandelt nicht eine Verwendung von KI-basierten Anwendungen in Leistungserhebungen.
Für eine datenschutzkonforme Nutzung wird die Nutzung der KI-Anwendungen, die in der Lernplattform der ByCS zur Verfügung gestellt werden, sowie AIS.chat, der KI-Chatbot des FWU, vorausgesetzt.
Folgende Links führen auf die entsprechenden Seiten bzw. zu Tutorials, die für die Nutzung erstellt wurden:
Grundlegende Informationen zum Thema finden Sie unter anderem hier:
- Künstliche Intelligenz in Schule und Unterricht, besonders hervorzuheben: Handlungsleitfaden „Künstliche Intelligenz in der pädagogischen Praxis“
- Handlungsempfehlung der Ständigen Konferenz der Kultusministerinnen und Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland (KMK) für die Bildungsverwaltung zum Umgang mit KI in schulischen Bildungsprozessen
- mebis Magazin: Künstliche Intelligenz (KI) in der Schule
- mebis Magazin: Ökologische Nachhaltigkeit und KI
- mebis Magazin: Ökologische Nachhaltigkeit und KI
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- Bildnachweis zum Vorschaubild der Seite: © ISB
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