Unterstützung bei der Vorbereitung von Leistungsnachweisen bzw. Lernstandserhebungen
Bei der Vorbereitung von Übungsmaterial, aber auch Leistungsnachweisen und Lernstandserhebungen können KI-Anwendungen fachliche Unterstützung und Qualitätssicherung leisten. Zahlreiche Anwendungen bieten in allen kommunikativen Kompetenzbereichen unterstützende Möglichkeiten, um Material bezüglich des Anforderungsniveaus zielgenau zu konzipieren.
Text-, Ton- und Video-Dokumente, die mit KI-basierten Anwendungen generiert werden, bieten interessante Diskussionsaspekte für gezielte Medienbildung: So kann etwa die Frage der Authentizität und der Qualität eines Textes immer auch auf der Metaebene innerhalb des Unterrichtsgeschehens thematisiert und beurteilt werden.
Das Erkennen literarischer Qualitätsmerkmale und des hohen Werts menschlicher Kreativität kann z. B. im Literaturunterricht eine noch wichtigere Funktion bekommen und gleichzeitig das Bewusstsein von Heranwachsenden für den Wert authentischer, individueller Sprachproduktion und qualitätsvoller, ästhetischer und inhaltlich klarer Ausdrucksweise schärfen.
KI-basierte Anwendungen können Texte in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden und Längen generieren, die auf das jeweilige Sprachniveau der Lerngruppe abgestimmt sind. Dabei können sie nicht nur die Texte selbst erzeugen, sondern auch dazu angeleitet werden, passende Fragen und Aufgaben (z. B. Multiple-Choice-Aufgaben) zu erstellen, um das Global- und Detailverständnis zu überprüfen, die Lehrkräfte als Anregung für die Erstellung von Aufgabenapparaten verwenden können.
Die Qualität und Relevanz der generierten Texte müssen vor Einsatz im Unterricht systematisch überprüft werden:
- Die Texte müssen den pädagogischen und fachlichen Anforderungen sowie dem kulturellen Kontext entsprechen.
- Allein die Angabe der GER-Niveaustufe innerhalb eines Prompts führt häufig noch nicht zu Texten mit geeignetem Schwierigkeitsgrad für eine bestimmte Lernergruppe.
- Vor allem in den ersten Lernjahren bilden KI-generierte Texte nicht immer exakt die zur Verfügung stehenden sprachlichen Mittel ab, wenn vorab als einzige Referenz die GER-Niveaustufe angegeben wird. Treffendere Ergebnisse kann man erzielen, wenn der den Schülerinnen und Schülern auf Grundlage des LehrplanPLUS bekannte thematische Wortschatz einbezogen wird oder man KI-Anwendungen nutzt, die mit Hintergrundwissen befüllt werden können (Assistenten), das Vokabular dort hinterlegt und als Quelle für die zu erstellenden Texte benannt wird. Auf diese Weise können mit Hilfe eines gut formulierten Prompts auch unterschiedliche Textsorten, die auf den aktuellen Lernstand der Schülerinnen und Schüler zugeschnitten sind, generiert werden.
- Vor einem Einsatz im Unterricht sollte auch der Bezug von Aufgabenstellungen auf die verschiedenen Anforderungsniveaus (AFB I/II/III) kontrolliert werden.
- Ein Beispiel, weshalb eine fachliche Prüfung unerlässlich ist: KI-basierte Anwendungen bieten bei Multiple-Choice-Aufgaben für die richtige Antwortoption mitunter den genauen Wortlaut aus dem Text an, was nicht dazu geeignet ist, den tatsächlichen Verstehensprozess abzuprüfen. Dies kann z. B. durch effizientes Prompting reduziert werden.
Als Ersatz für die am Ende der Spracherwerbsphase vom LehrplanPLUS geforderten authentischen Dokumente eignet sich der Einsatz KI-generierter Texte nicht. Sie eignen sich jedoch durchaus im Spracherwerbsprozess, wenn noch reduzierte sprachliche Mittel zu berücksichtigen sind.
Für Hörverstehensaufgaben können Texte in vielerlei Ausprägung auf unterschiedlichen Anforderungsniveaus produziert werden:
So können Texte in verschiedenen regionalen Akzenten generiert werden, was Schülerinnen und Schülern dabei unterstützen kann, sich auf unterschiedliche Sprachvarietäten einzustellen. Bestimmte Anwendungen generieren Stimmsequenzen, die weitgehend natürlich klingen.
Manche Anwendungen erlauben sogar das Generieren von Videos mit gesprochenem Text, was perspektivisch Chancen für ein gezieltes Hör-Seh-Verstehen im Fremdsprachenunterricht bieten kann.
Folgende Beobachtungen wurden durch die an der Entwicklung dieses Leitfadens beteiligten Lehrkräfte gemacht:
Die Interaktivität und Spontaneität von authentischen Gesprächen kann von KI-basierten Anwendungen noch nicht auf einem qualitativen Niveau nachgebildet werden, das dem Anspruch an einen qualitativ hochwertigen Fremdsprachenunterricht genügt.
Auch künstlich generierte Texte müssen auf Verständlichkeit und Angemessenheit geprüft werden, um sicherzustellen, dass sie den Lernzielen und der im Unterricht zu erwartenden fachlichen Qualität entsprechen.
Für alle Modernen Fremdsprachen außer Englisch fällt bisher außerdem auf, dass dem generierten Audiomaterial mitunter ein fremdsprachiger Akzent (oft englischsprachigen Ursprungs) unterliegt, der für die Lernenden störend wirken kann und die Authentizität des Hörverstehenstextes verzerrt.
KI-basierte Anwendungen bieten die Möglichkeit, Lückentexte und andere Übungen zur Festigung von Grammatik- und Wortschatzkenntnissen zu erstellen. Diese Übungen können individuell an die GER-Niveaustufe der jeweiligen Lerngruppe angepasst werden, idealerweise über das präzise Benennen der bekannten sprachlichen Mittel. Auch hier müssen wieder eine anschließende gründliche Prüfung und Optimierung der KI-generierten Materialien selbstverständlicher Teil des Arbeitsprozesses sein.
Im Bereich der Textproduktion können KI-basierte Anwendungen Schreibanlässe, Themenvorschläge und Dokumente generieren, die den kreativen Schreibprozess anregen. Für Aufgaben zur Sprachmittlung können Lehrkräfte deutschsprachige Ausgangstexte verschiedener Textsorten bzw. bildgestütztes Material generieren und sich dazu passende Aufgabenstellungen ausgeben lassen. Eine Überprüfung der Passung ist unabdingbar.
Auch hier ist festzuhalten, dass solche generierten Texte und Dokumente eher zu Beginn der Spracherwerbsphase hilfreich sind und im weiteren Verlauf ausnahmslos authentischem Material der Vorzug zu geben ist.
KI-basierte Anwendungen können auch beim Entwurf von Nachschriften unterstützen, etwa um zu gewährleisten, dass diese dem Anforderungsniveau der Erstprüfung entsprechen. Durch das Hochladen [1] von Aufgabenstellungen des Ersttermins in Verbindung mit dem Auftrag, eine weitere Aufgabenstellung von vergleichbarem Schwierigkeitsgrad zu erzeugen, können vergleichbare Arbeiten generiert werden. Auf diese Weise kann die Arbeit mit KI-basierten Anwendungen zur Entlastung der Lehrkraft beitragen. In jedem Fall bleibt es in der Verantwortung der Lehrkraft, die generierten Aufgaben auf ihre tatsächliche Vergleichbarkeit, Korrektheit und Passung hin zu prüfen.
[1] Hierbei müssen schul- und schülerbezogene Daten entfernt werden.
Für mündliche Leistungsnachweise können KI-basierte Anwendungen Gesprächsszenarien und Rollenspiele generieren, die sich im erforderlichen Setting bewegen. Für Bildimpulse können etwa Bildgeneratoren genutzt werden, um Bilder zu spezifischen Themen oder Szenarien in größerer Anzahl und vergleichbarem Anspruchsniveau hinsichtlich der herauszuarbeitenden Elemente zu erzeugen. Von Vorteil ist auch die Möglichkeit, durch mehrmalige Nutzung des gleichen Prompts immer wieder neue Bilder zu erzeugen, die zwar ähnlich, aber doch so verschieden sind, dass sie sich für einen größeren Fundus vergleichbarer Leistungsnachweise eignen können.
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