Nutzung in der häuslichen Vorbereitung: Auswahl möglicher Einsatzbereiche
Für die häusliche Nutzung von KI-basierten Anwendungen durch die Lernenden gilt der Grundsatz, dass die Schulen ausschließlich die Nutzung der KI in ByCS sowie von AIS.chat empfehlen. Häusliche Nutzung ist nur möglich, wenn die Schule die KI-Anwendung zur Verfügung stellt. Andere den Lernenden im privaten Bereich zugängliche KI-Anwendungen dürfen durch die Schule weder empfohlen noch veranlasst werden. Vor dem Einsatz von KI-basierten Anwendungen im häuslichen Umfeld der Lernenden ist es außerdem erforderlich, die alters- und sachgemäße Verwendung mit den Schülerinnen und Schülern abzuklären und zu besprechen, sinnvollerweise fächerübergreifend und auch unter Einbeziehung der Erziehungsberechtigten. Um einen unrechtmäßigen Eingriff in die elterliche Erziehungshoheit zu vermeiden, darf eine KI-Anwendung am Nachmittag nicht unbegrenzt zur Verfügung gestellt werden, sondern nur im Zusammenhang mit konkreten Arbeitsaufträgen oder mit einer Beschränkung zum freien Üben (erst ab Jahrgangsstufe 8 und in Abstimmung mit den Erziehungsberechtigten) durch enge Zeitfenster oder eine vorgegebene Anzahl an Prompts. Diese Einschränkungen lassen sich bei der Verwendung der KI in ByCS umsetzen.
Folgende Überlegungen können hierbei aus fachlicher Sicht handlungsleitend sein:
- Fakten: Lernende sollten Ergebnisse von KI-basierten Anwendungen kontinuierlich auf Grundlage ihrer im Unterricht erworbenen Kenntnisse kritisch auswerten und bewerten, z. B. auf Plausibilität oder Verzerrungen hin
- Lernfortschritt: Eine Verwendung von KI statt eigener Erledigung der Hausaufgaben bringt keine Vorteile für den persönlichen Lernfortschritt in der Fremdsprache.
- Mensch-Maschine-Interaktion: Gerade vor einem Einsatz im häuslichen Bereich muss das Bewusstsein dafür geschärft sein, dass die Interaktion mit KI-basierten Anwendungen keine menschliche Kommunikation darstellt.
- Schutz von Rechten: Schülerinnen und Schülern sollte nachhaltig vermittelt werden, wie sie eigene Daten und die Daten anderer schützen können und welche rechtlichen Grenzen bei der Benutzung von KI-basierten Anwendung beachtet werden müssen. Es empfiehlt sich in diesem Zusammenhang, die Vorzüge der datenschutzkonform einsetzbaren Angebote in ByCS sowie von AIS.chat (FWU) immer wieder hinzuweisen und diese von anders gestalteten Angeboten klar abzugrenzen.
Für die Ausbildung von verantwortungsvollem Handeln ist es daher wichtig, im Unterricht, beginnend mit ausgewählten Teilbereichen, darzustellen und zu diskutieren, wie KI gewinnbringend und effizient für den eigenen Lernfortschritt eingesetzt werden kann:
Mit KI-basierten Anwendungen können Schülerinnen und Schüler zum Beispiel
- individuell definierte Vokabellisten erstellen,
- aus Vokabellisten Aufgaben erstellen lassen, die ihrer eigenen Lernstruktur am besten entsprechen,
- (kontextualisierte) Abfragen von Wortschatz in unterschiedlichen Aufgabentypen erzeugen und bei der Bearbeitung ihren Erfolg messen,
- Lückentexte zur Überprüfung von sprachlichen Mitteln erzeugen,
- Fragen zu grammatikalischen Phänomenen stellen und ihre Anwendung sofort erproben und vertiefen.
Die Integration von KI-basierten Anwendungen in die Textarbeit wird regelmäßig Anlass zum Gespräch über den hohen Wert und die einzigartige Ästhetik von durch Menschen geschaffenen Texten bieten.
Shakespeares unnachahmliche Wortschöpfungen, Molières Humor, die Akribie eines Fachjournalisten in der Vorarbeit zu einem italienischen Sachtext: Ein qualitätsvoller Unterricht vermittelt Urteilsvermögen und Wertvorstellungen in Zusammenhang mit Urheberschaft und menschlicher Kreativität.
Der gewinnbringende Einsatz von KI-basierten Anwendungen bei der Textarbeit setzt profunde Erfahrungen in der Arbeit mit Sachtexten und Literatur bei den Schülerinnen und Schülern voraus. Nur so können konkrete Ziele im Umgang mit den Texten formuliert werden und im Anschluss Ergebnisse qualitativ beurteilt werden.
KI-basierte Anwendungen können von den Lernenden genutzt werden, um
- Texte unter bestimmten Aspekten sprachlich und / oder inhaltlich auszuwerten,
- Texte auf unterschiedliche Weise und bei unterschiedlicher Aufgabenstellung (Adressatenorientierung, Varietät, Situation) zusammenzufassen, zu gliedern oder zu kürzen,
- inhaltliche Fragen zu klären,
- Texte in die Zielsprache zu übertragen,
- den Stil oder die Varietät eines Textes oder die Textsorte zu verändern,
- Feedback zu selbst produzierten Texten zu erhalten.
Eine wichtige fachspezifisch auszubildende Kompetenz besteht in der Bewertung der Ergebnisse von:
- KI-generierten Textauswertungen
Voraussetzung für eine angemessene Beurteilung von KI-generierten Textauswertungen von Sach- oder literarischen Texten sind bereits erworbene Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler: Sie sollen lt. LehrplanPLUS Texte selbstständig reflektieren, kritisch und differenziert ihr Erstverstehen hinterfragen, relativieren und ggf. revidieren. Diese Kompetenzen sollten anhand geeigneter Beispiele gezielt auch zur Beurteilung KI-generierter Textauswertungen angewandt und geübt werden. - fehlerhaften Übertragungen bzw. Übersetzungen in die Zielsprache
In den Modernen Fremdsprachen ist der Umgang mit fehlerhaften Übersetzungen in die Fremdsprache eine typische Herausforderung, da Schülerinnen und Schüler unreflektiert falsche Anregungen für die eigene Sprachproduktion übernehmen könnten. Dies betrifft insbesondere idiomatische Ausdrücke, die maschinell regelmäßig fehlerhaft übersetzt werden. Die Kenntnis kulturspezifischer Besonderheiten ist daher eine Voraussetzung, um solche Fehler zu erkennen.
Kompetenzen im Bereich des Leseverstehens werden im Spracherwerb schrittweise ausgebildet. Erst am Ende der gymnasialen Ausbildung ist vorgesehen, dass z. B. implizite und explizite Aussagen von Texten selbstständig erkannt werden, ein Wirkungspotential treffend eingeschätzt wird und die inhaltliche Struktur von komplexen Texten passend beschrieben wird. Schülerinnen und Schüler sollen daher eine Entwicklung hin zu einer reflektierten, alters- und aufgabenspezifisch sinnvollen Nutzung von KI-basierten Anwendungen durchlaufen. Insbesondere sollen sie altersgemäß anhand konkreter Beispiele lernen, wie sie KI-basierte Anwendungen für sich nutzen können, ohne Gefahr zu laufen, in ihrem Leseverstehen behindert oder in die Irre geführt zu werden.
Grundsätzlich können die Schülerinnen und Schüler beispielsweise
- sich Texte zusammenfassen, gliedern oder sich Fragen zu Texten stellen lassen,
- ihre eigenen Antworten überprüfen bzw. sich (mehrere) Musterlösungen anzeigen lassen,
- Lesetexte selbst erzeugen und bearbeiten.
KI-gestützte Chatbots bieten die Möglichkeit, die aktive fremdsprachliche Produktion in der Fremdsprache außerhalb der für manche Lerner oft belastende Öffentlichkeit des Unterrichts im Klassen- und Gruppenverband zu üben. So können Schülerinnen und Schülern ihre schriftliche und mündliche Ausdrucksweise selbstständig verbessern und mehr Selbstvertrauen im Umgang mit der Sprache gewinnen, was ihnen wiederum in der Kommunikation im Klassenverband zu Gute kommt.
Der Umgang mit Chatbots sollte jedoch begleitend systematisch kritisch beleuchtet werden, damit den Schülerinnen und Schülern ausnahmslos klar ist, dass sie mit einer automatisierten Anwendung kommunizieren und diese Art von Kommunikation unter keinen Umständen als Ersatz für authentische Kommunikation mit Familie und Freunden betrachtet werden kann. Jungen Menschen immer wieder zu vermitteln, dass sie nicht der Versuchung erliegen sollten, KI-basierte Anwendungen zu personifizieren, ist gerade im Fremdsprachenunterricht, in dem die zahlreichen Facetten menschlicher Kommunikation im Fokus stehen, eine essentielle pädagogische Erziehungsaufgabe.
KI-basierte Anwendungen können auf unterschiedliche Art und Weise von den Lernenden genutzt werden, um Lerninhalte zunächst zu recherchieren und zu vertiefen und im Anschluss in Präsentationen aufzubereiten. Etwa bei der Formulierung der Grundstruktur und der Gliederung können die Anwendungen durchaus zielführend unterstützen. Die generierten Ergebnisse können von Schülerinnen und Schülern als Inspirationsquelle genutzt werden, müssen allerdings besonders genau geprüft werden, um inhaltlichen und sprachlichen Fehlern, Ungenauigkeiten, Redundanzen oder tendenziöser Darstellung vorzubeugen. Es ist daher auch hier im Vorfeld eine wichtige pädagogische und fachliche Aufgabe, im Unterricht zunächst Qualitätsmerkmale für hochwertige Gliederungen und Präsentationen zu erarbeiten, auch unter Berücksichtigung einer fremdsprachenspezifischen digitalen Kompetenz.
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