Die medienpädagogische DNA des ISB – Unterricht im Blick

„Schauen Sie mit!“ – Eine weltweite Sensation im Deutschen Museum
Unter der markanten Schlagzeile „Schauen Sie mit!“ dokumentiert der historische Zeitungsbericht ein medienpädagogisches Pionierprojekt, das den Grundstein für die heutige Innovationskraft des ISB legte. Kultusminister Ludwig Huber eröffnete im Deutschen Museum das Institut für Unterrichtsmitschau und didaktische Forschung – eine mit zwei Millionen D-Mark von der Stiftung Volkswagenwerk geförderte Forschungsstätte, die damals als „einmalig auf der Welt“ galt.
Geleitet wurde das Institut von Prof. Dr. Alfons Otto Schorb, Gründungsdirektor des Staatsinstituts für Bildungsforschung (IfB) und Ordinarius an der LMU München. Mit der Unterrichtsmitschau verfolgte er einen neuartigen Ansatz: Reale Unterrichtssituationen konnten mithilfe moderner Medientechnik aufgezeichnet und wissenschaftlich ausgewertet werden, ohne den Unterricht durch Beobachtende zu beeinflussen. Die Verbindung von technologischer Innovation, empirischer Unterrichtsforschung und schulischer Praxis wurde zu einem prägenden Merkmal des IfB – und wirkt bis heute im Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB) fort.
Kameras statt Kreidestaub: Die Revolution der Lehrerausbildung
Das Ziel des neuen Verfahrens war ambitioniert: Den zukünftigen Lehrkräften sollte die Hospitantenzeit in den Schulen verkürzt werden. In einem eigens präparierten Klassenraum des Instituts unterrichteten Münchner Lehrkräfte ihre Klassen vor Film-, Fernseh- und Mikrofonanlagen. Das Besondere daran: Das Geschehen wurde entweder direkt live in einen Hörsaal übertragen oder als Film aufgezeichnet.
Der unschätzbare Vorteil für die Forschung und Ausbildung wird im Artikel auf den Punkt gebracht:
Ohne den Schülern die gewohnte Unterrichtsatmosphäre zu nehmen, können in den Hochschulen beliebig viele Studenten am Unterricht einer Klasse teilnehmen.
Auszug aus dem Zeitungsbericht von Roland Mader
Eine amüsante historische Randnotiz liefert der Bericht gleich mit: Dass München überhaupt zum weltweiten Vorreiter dieser Technologie wurde, verdankt die bayerische Metropole dem „Desinteresse des Landes Nordrhein-Westfalen“. Dort ließ man Professor Schorb mit seinen zukunftsweisenden Ideen ziehen – ein echter Glücksfall für die bayerische Bildungslandschaft.
Ein Pionierprojekt mit Tradition: Die Unterrichtsmitschau heute
Was Ende der 1960er-Jahre als Weltneuheit im Deutschen Museum begann, legte nicht nur das medienpädagogische Fundament für die Arbeit des heutigen ISB. Die Unterrichtsmitschau an der LMU München hat sich über die Jahrzehnte kontinuierlich weiterentwickelt und ist – heute auf modernstem digitalem Niveau – nach wie vor ein unverzichtbarer Baustein für die praxisnahe universitäre Lehrerbildung und empirische Unterrichtsforschung in Bayern.
Das Jubiläums-Quiz – Runde 2
Testen Sie Ihr Wissen! Die Auflösung finden Sie im nächsten Schlaglicht im August.
Frage 3: Prof. Dr. Alfons Otto Schorb brachte das Konzept der „Unterrichtsmitschau“ aus Bonn mit und gründete sie 1968 an der LMU München neu. Welches fundamentale Prinzip der modernen empirischen Unterrichtsforschung wurde durch diese Technik damals erstmals ermöglicht?
- A: Die vollständige Ersetzung der Schulpraxis durch rein theoretische Fernstudienmodelle.
- B: Die kriteriengeleitete, objektive Unterrichtsanalyse ohne Beeinflussung der natürlichen Klassensituation durch physisch anwesende Hospitanten.
- C: Die landesweite Live-Übertragung von Prüfungen zur Vereinheitlichung der Notengebung.
- D: Die ausschließliche Erprobung von audio-visuellen Lehrmitteln im technischen Fachunterricht.
Frage 4: Schorb war ab 1967 gleichzeitig Direktor des IfB und baute parallel die Unterrichtsmitschau an der LMU auf. Warum war diese personelle und inhaltliche Verknüpfung für das spätere ISB so prägend?
- A: Weil sie die empirische Bildungsforschung des IfB von Anfang an mit konkreten, medienpädagogischen Innovationen und der Schulpraxis verzahnte.
- B: Weil dadurch alle bayerischen Schulen gesetzlich verpflichtet wurden, eigene Fernsehstudios einzurichten.
- C: Weil die Stiftung Volkswagenwerk ihre Fördergelder ausschließlich an Universitäten vergeben durfte.
- D: Weil Schorb damit den Einfluss des Kultusministeriums auf die Lehrpläne vollständig zurückdrängte.
Auflösung aus dem Juli:
- Frage 1: Richtige Antwort C (Erst die spätere Zusammenführung der theoretisch-planenden und der praktisch-didaktischen Säule überwand die Zersplitterung der Aufgabenfelder.)
- Frage 2: Richtige Antwort A (Der Begriff Schulqualität steht für den modernen Ansatz, Schulen bei ihrer systematischen Unterrichts- und Organisationsentwicklung datengestützt zu begleiten.)
Ausblick auf das September-Schlaglicht:
Vier Namen – ein Auftrag. Wie Kultusminister Hans Maier 1972 die Kräfte der Bildungsreform in der Arabellastraße zusammenführte und der Weg zum heutigen Kürzel „ISB“ geebnet wurde.
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