Rahmenbedingungen entwickeln

Gemeinsam etwas bewegen
Um Schülerinnen und Schülern mit körperlichen und motorischen Beeinträchtigungen die Teilnahme am Sportunterricht zu ermöglichen, brauchen sie passende Rahmenbedingungen. Wir stellen Ihnen fünf praktische Handlungsbereiche vor. In einem Audio-Feature berichtet eine Lehrkraft aus der Praxis.
Jeder Handlungsbereich wird gemeinsam entwickelt: Im Austausch mit der Schülerin / dem Schüler und deren / dessen Erziehungsberechtigten, dem Kollegium und insbesondere mit der Schulleitung. Durch verteilte Rollen und Aufgaben wird die Umsetzung erleichtert und jede/r Einzelne entlastet.
Bei Bedarf steht Ihrer Schule der MSD kmE inhaltlich beratend und prozessbegleitend zur Seite.
Handlungsbereiche
Darum geht's:
Die räumlichen Gegebenheiten so gestalten, dass sie den Schülerinnen und Schülern einen barrierefreien Zugang ermöglichen und den individuellen Bedürfnissen gerecht werden.
Zum Beispiel:
- Für Rollstuhlfahrende: Umkleiden mit ausreichend Platz (sofern in Umkleide nicht möglich: z. B. anderen Raum anbieten)
- Niedriger angebrachte Haken, gut erreichbare und ausreichende Ablageflächen
- Bei individuellem Bedarf: Liege oder spezielle Sitzmöglichkeiten (z. B. Stühle mit Armlehnen, rutschhemmender Sitzfläche)
- Barrierefreie bzw. zugängliche Sanitäreinrichtungen
- Für räumliche Anpassungen in der Sportstätte selbst (z.B. Zonierungen) siehe Baustein "Sportunterricht adaptieren: 5 Stellschrauben für die Praxis"
Darum geht's:
Schülerinnen und Schüler mit körperlichen Beeinträchtigungen benötigen möglicherweise mehr Zeit. Eine vorausschauende Zeitplanung kann hier hilfreich sein.
Zum Beispiel:
- Berücksichtigen Sie die Zeit für den Gang zur Sportstätte und zum Umkleiden, insbesondere bei Schülerinnen und Schülern mit Mobilitätseinschränkungen. Hilfreich hierzu ist etwa ...
- ... Schülerinnen und Schülern zu ermöglichen, früher zur Sportstätte zu gehen. Da dies die vorausgehende Unterrichtsstunde betrifft, ist hier eine Koordinierung im Kollegium notwendig.
- ... den Sportunterricht als erste Stunde einzuplanen. Hierdurch entsteht ein zeitlicher Puffer und eine Abstimmung mit dem Kollegium ist ggf. nur für die anschließende Schulstunde notwendig.
- Planen Sie zusätzliche Trink-/Erholungspausen mit ein, sofern dies ausgehend vom Förderbedarf notwendig ist.
Darum geht's:
Teilweise benötigen Schülerinnen und Schüler die Unterstützung anderer Personen. Die Art und Weise der erbrachten Hilfen sollte geplant und besprochen werden: Ziel ist, Selbstständigkeit zu erreichen und gleichzeitig die persönlichen Grenzen aller Beteiligten zu wahren.
Zum Beispiel:
- Der Unterstützungsbedarf ist individuell und je nach Situation unterschiedlich. Erheben Sie alle notwendigen Informationen. Nutzen Sie hierzu z.B. den "Erhebungsbogen Lernausgangslage" und/oder suchen Sie das persönliche Gespräch (Schülerin/Schüler, Eltern, MSD).
- Unterstützung kann oftmals niederschwellig von weiteren Schülerinnen bzw. Schülern übernommen werden. Sofern schulisches Personal notwendig ist, suchen Sie den Austausch mit Ihrer Schulleitung, Ihrem Kollegium und ggf. dem MSD kmE.
- Beginnen Sie bei der Planung mit den wiederkehrenden Situationen (Gang zur Sportstätte, Umkleiden, Rückweg ins Klassenzimmer, Benutzung von Sportgeräten).
Darum geht's:
Schülerinnen und Schüler benötigen für eine aktive Teilnahme am Sportunterricht ggfls. Hilfsmittel.
Zum Beispiel:
- Hilfsmittel können je nach Beeinträchtigung sehr unterschiedlich ausfallen. Für einen ersten Eindruck können Sie den Baustein "Hilfsmittel" der ISB-Publikation "Greifen und Begreifen" nutzen.
- Erheben Sie alle notwendigen Informationen. Nutzen Sie hierzu z.B. den "Erhebungsbogen Lernausgangslage" und/oder suchen Sie das persönliche Gespräch (Schülerin/Schüler, Eltern, MSD, gfls. Physiotherapeut).
- Planen Sie gemeinsam, wie und in welchem Umfang die Hilfsmittel zum Einsatz kommen können.
- Praktische Fragen: Wie kommen die Hilfsmittel vom Klassenzimmer zur Sportstätte? Wo können die Hilfsmittel (bei Nichtgebrauch) gelagert werden? Ist hierzu jeweils Hilfe notwendig? --> siehe auch "Zeitmanagement"/"Raumausstattung".
Darum geht's:
Einige Beeinträchtigungen können dazu führen, dass Schülerinnen und Schüler auf (teils lebensrettende) Maßnahmen oder Medikamente angewiesen sind. Dies gilt besonders auch für Situationen körperlicher Anstrengung. Ein vorab strukturierter Ablauf hilft, hier besonnen und planvoll handeln zu können.
Zum Beispiel:
- Erheben Sie alle notwendigen Informationen. Suchen Sie hierzu neben dem "Erhebungsbogen Lernausgangslage" das persönliche Gespräch (Schülerin/Schüler, Eltern, MSD).
- Besprechen Sie Herausforderungen und die Reaktion mit den Beteiligten und ggf. der Schulleitung.
- Legen Sie das Verhalten im Notfall vorab fest: Nutzen Sie hierzu z. B. die Checklisten der DGUV (Checklisten zur Sicherheit im Sportunterricht) und/oder erstellen Sie individuelle Ablaufpläne (ggfls. im Austausch mit dem MSD kmE).

Praxisbericht: Rahmenbedingungen aufbauen
Womit kann ich starten? Mit wem kann ich zusammenarbeiten?
Empfohlene Zitierweise
(2025): Rahmenbedingungen entwickeln. In: "". Verfügbar unter: https://www.isb.bayern.de/aktuelles/isb-magazine/gemeinsam-bewegen/grundlagen-fuer-die-teilhabe-am-sportunterricht-schaffen-drei-handlungsbereiche/rahmenbedingungen-entwickeln/
Abbildungsnachweis
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