Leistungserhebung / Notengebung

Leistungserhebung, Leistungsbewertung und Übertrittsverfahren bei Flüchtlingskindern an Grund- und Mittelschulen

1. Müssen Flüchtlingskinder in Grund- und Mittelschulen benotet werden?
Für Flüchtlingskinder gilt wie für alle Kinder dieser Schularten, dass die Lehrerkonferenz entscheiden kann, in begründeten Einzelfällen aus pädagogischen Gründen auf eine Bewertung der Leistungen durch Noten zeitweilig zu verzichten. Die Erziehungsberechtigten sind vorher anzuhören. (GrSO § 11 Abs. 2 bzw. MSO § 13 Abs. 2)
2. Welche Note erhalten Schülerinnen und Schüler, die keinen eigenständigen DaZ-Unterricht bekommen, sondern am regulären Deutschunterricht teilnehmen und hier individuell gefördert werden?
Die Schülerinnen und Schüler erhalten eine DaZ-Note.
 
Erklärung: Notengebung im Deutschunterricht
Werden Schülerinnen und Schüler ausschließlich oder zum Teil auf der Grundlage des LehrplansPLUS DaZ unterrichtet, erhalten sie eine DaZ-Note. Dies gilt auch, wenn die unterrichtende Lehrkraft durch Binnendifferenzierung in der Regelklasse die Schülerinnen und Schüler im Erwerb der deutschen Sprache unterstützt (vgl. GrSO § 15 Abs. 3 und MSO §18 Abs. 6 sowie KMS III.2 – BS 7400.9 – 4. 32 804 vom 16.09.2016).
3. Welche Note erhalten Schülerinnen und Schüler, die neben dem regulären Deutschunterricht auch gesondert in DaZ unterrichtet werden (Mittelschule)?
Angemessen wäre meist eine DaZ-Note, aber
"2Auf Antrag der Erziehungsberechtigten erhalten Schülerinnen und Schüler, die neben einem Unterricht auf der Grundlage des Lehrplans für das Fach Deutsch als Zweitsprache den Deutschunterricht zumindest teilweise besuchen, eine Note im Fach Deutsch; die Leistungen aus dem Unterricht im Fach Deutsch als Zweitsprache werden in pädagogischer Verantwortung einbezogen.3Wird kein Antrag nach Satz 2 gestellt, wird eine Note im Fach Deutsch als Zweitsprache erteilt." (MSO § 18 Abs. 6)
4. Worauf ist bei Leistungserhebungen in anderen Fächern zu achten?
In den anderen Fächern ist bei Leistungserhebungen der Einsatz von ein- bzw. zweisprachigen Wörterbüchern, auch Bildwörterbüchern zu empfehlen. Des Weiteren sollten in den Sachfächern für Schülerinnen und Schüler mit nichtdeutscher Herkunftssprache nicht Wortschatz und Strukturen abgeprüft werden.

Es ist darauf zu achten, dass der Wortschatz so gewählt ist, dass die Aufgaben bearbeitet werden können.
5. Welche Jahresfortgangsnote benötigen Schülerinnen und Schüler für die Anmeldung zum qualifizierenden Abschluss der Mittelschule (Quali)?
Für den DaZ-Quali wird eine DaZ-Note benötigt, für den Deutsch-Quali eine Deutschnote.

Die DaZ-Note kann auch erteilt werden, wenn kein eigenständiger DaZ-Unterricht stattgefunden hat (vgl. Frage 2).  
6. Welche Aspekte kann ich bei der Leistungsbewertung im regulären Deutschunterricht heranziehen, um eine DaZ-Note vergeben zu können?
  • Verstärkt mündliche und praktische Leistungen einfordern, z. B. Kurzreferate, kleinere thematische Zusammenfassungen zu Beginn bzw. Ende einer Unterrichtsstunde, kleinere Rollenspiele, Portfolioarbeit
  • Aufwertung der mündlichen Leistungen (analog zu Englisch und zur Abschlussprüfung DaZ-Quali)
  • Leistungserhebungen anpassen bzw. entlasten (z. B. Aufgaben anpassen; einzelne Aufgaben weglassen; statt nur Antworten in ganzen Sätzen schreiben zu lassen, evtl. Antworten zum Ankreuzen oder Zuordnungsaufgaben erstellen, Arbeitszeitverlängerung)
  • Bewertung dem angestrebten Kompetenzziel anpassen (z.B. in Textproduktionen Grammatik- oder Rechtschreibfehler zurückhaltend in die Korrektur einfließen lassen)
7. Welche Relevanz haben Leistungsbewertungen in Deutsch für die Versetzung?
"Bei Schülerinnen und Schülern mit nichtdeutscher Muttersprache in deutschsprachigen Klassen, die keinen Unterricht im Fach Deutsch als Zweitsprache erhalten, sind in den ersten beiden Jahren des Schulbesuchs in der Bundesrepublik Deutschland unzureichende Leistungen im Fach Deutsch bei der Entscheidung über das Vorrücken nicht zu berücksichtigen." (GrSO § 13 Abs. 4 bzw. MSO § 15 Abs. 3)
8. Wie gestaltet sich das Übertrittsverfahren von der Grundschule an Realschule und Gymnasium?
Für das Übertrittsverfahren müssen die Schülerinnen und Schüler eine Deutschnote erhalten, eine DaZ-Note wird nicht anerkannt.

„Für Schülerinnen und Schüler mit nichtdeutscher Muttersprache, die nicht bereits ab Jahrgangsstufe 1 eine deutsche Grundschule besucht haben, kann bis zu einer Gesamtdurchschnittsnote von 3,33 die Eignung festgestellt werden, wenn dies auf Schwächen in der deutschen Sprache zurückzuführen ist, die noch behebbar erscheinen.“ (GrSO § 6 Abs. 5 bzw. MSO § 6 Abs. 2 Übertritt an ein Gymnasium oder an eine Realschule)

wichtig: Der Durchschnitt errechnet sich aus den Fächern Deutsch, Mathematik, Heimat- und Sachunterricht in der Grundschule bzw. Deutsch und Mathematik in Jgst. 5 und Deutsch, Mathematik und Englisch in Jgst. 6 der Mittelschule, nicht DaZ!

Für den Übertritt aus der Grundschule gilt:
„Die Eignung für den Bildungsweg des Gymnasiums oder der Realschule setzt für diese Schülerinnen und Schüler voraus, dass sie eine angemessene Zeit vor der Ausgabe des Übertrittszeugnisses nach Abs. 2 den Unterricht im Fach Deutsch besucht haben.“ (GrSO § 6 Abs. 5 Satz 2)
9. Wie gestaltet sich der Übergang von Schülerinnen und Schülern nichtdeutscher Herkunftssprache in den M-Zweig der Mittelschule?
Übertritt in die 7./8./9. Jgst:
Für den Eintritt in den M-Zweig müssen die Schülerinnen und Schüler eine Deutschnote vorweisen, eine DaZ-Note wird nicht anerkannt.

"Für Schülerinnen und Schüler mit nichtdeutscher Muttersprache, die in die Jahrgangsstufe 7, 8 oder 9 des Mittlere-Reife-Zugs eintreten möchten, gilt § 6 Abs. 2 entsprechend." (MSO § 7 Abs. 1, Satz 2)

"Für Schülerinnen und Schüler mit nichtdeutscher Muttersprache, die nicht bereits ab Jahrgangsstufe 1 eine deutsche Grundschule besucht haben, kann bis zu einer Gesamtdurchschnittsnote von 3,33 die Eignung festgestellt werden, wenn dies auf Schwächen in der deutschen Sprache zurückzuführen ist, die noch behebbar erscheinen." (MSO § 6 Abs. 2)

Bei nicht ausreichender Gesamtdurchschnittsnote (schlechter als 3,33) kann eine Aufnahmeprüfung zur Notenverbesserung durchgeführt werden. Diese ist nur in Deutsch, Mathematik und Englisch möglich (MSO § 7 Abs. 2 Satz 2), d. h. der Schüler bzw. die Schülerin muss eine Deutschnote haben.

Übertritt in die 10. Jgst.:
Übertritt in M-Zweig Jgst. 10 mit Quali erfordert mind. Notendurchschnitt 2,33 der drei Quali-Fächer Deutsch, Mathe, Englisch/Herkunftssprache im Quali-Zeugnis

Bei DaZ im Quali muss ein Aufnahmegespräch im Fach Deutsch erfolgen (siehe unten).

Bei nicht ausreichender Note (schlechter als 2,33 in Deutsch, Mathematik und Englisch im Quali) kann eine Aufnahmeprüfung zur Notenverbesserung durchgeführt werden. Diese ist nur in den drei genannten Fächern möglich (MSO § 7 Abs. 2 Satz 2), es gibt jedoch folgende Ausnahmen:

=> wurde in der Quali-Prüfung Herkunftssprache statt Englisch gewählt, gilt (mögliche Herkunftssprachen s. hier, Frage 5):
 "Für Schülerinnen und Schüler, die aus nicht selbst zu vertretenden Gründen keine hinreichenden Leistungen im Fach Englisch erbringen können und die nicht von der Möglichkeit des Abs. 3 Satz 1 Gebrauch gemacht haben [= Fächerwahl Muttersprache statt Englisch im Abschluss bei Anmeldung zu M10], tritt anstelle der Aufnahmeprüfung im Fach Englisch ein Aufnahmegespräch; in diesem ist zu klären, ob die Schülerin oder der Schüler den Leistungsanforderungen des Mittlere-Reife-Zugs voraussichtlich entsprechen kann. Auf der Grundlage des Aufnahmegesprächs ist eine Gesamtnote im Fach Englisch zu bilden." (MSO § 7 Abs. 2 Satz 7 und 8)

=> wurde der Quali im Fach DaZ gewählt, gilt:
"Wurde der qualifizierende Abschluss der Mittelschule nach Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 Halbsatz 2 mit dem Fach Deutsch als Zweitsprache erworben, so tritt an die Stelle der Aufnahmeprüfung im Fach Deutsch ein Aufnahmegespräch. In diesem ist zu klären, ob die Schülerin oder der Schüler auf Grund der bisherigen Leistungen den Anforderungen der Jahrgangsstufe 10 im Fach Deutsch voraussichtlich entsprechen kann." (MSO § 7 Abs. 2 Satz 9 und 10)

weitere Hinweise:
  • Übertritt in die zweijährige Vorbereitungsklasse mit Gesamtbewertung im Quali von mind. 2,5 (bei Nichterreichen der Note Entscheidung durch Schulleiter und Schulamt; MSO § 7 Abs. 5)
  • Sonderfall Teilnahme am Quali als anderer Bewerber mit Gesamtbewertung im Quali von mind. 2,3 => Aufnahme in die M10 möglich, dabei max. 12. Schulbesuchsjahr (MSO § 7 Abs. 4)

Leistungserhebung und Sprachförderung am Gymnasium

1. Welche Maßnahmen und Hilfestellungen für Schülerinnen und Schülern nichtdeutscher Herkunftssprache gibt es überhaupt?
Einen zentralen Bestandteil im Kontext der Strategien zur Förderung von Schülerinnen und Schülern mit Migrations- und Fluchtgeschichte an staatlichen Gymnasien in Bayern bildet das Projekt Sprachbegleitung. Die sprachliche Begleitung und Unterstützung von Schülerinnen und Schülern mit Flucht- bzw. Migrationsgeschichte erfolgt dabei nicht nur im Fach Deutsch, sondern vor allem auch im Sachfachunterricht wie z. B. in Natur und Technik, Mathematik oder Geschichte.

Mit dem Pilotprojekt InGym wird bayernweit an mehreren Standorten ein schulartspezifischer Weg der Integration für besonders leitungsstarke und leistungsmotivierte Seiteneinsteiger ohne ausreichende Deutschkenntnisse erprobt.

Das Regelangebot stellen die Übergangsklassen an den Mittelschulen dar, die sich auch an gymnasial geeignete Schülerinnen und Schüler richten. Neben dem Pilotprojekt InGym dient eine flexible Sprachförderung dazu, vor allem Gymnasien im ländlichen Raum differenziert und bedarfsgerecht bei der (fach-)sprachlichen Förderung von Seiteneinsteigern zu unterstützen. Im Falle einer Aufnahme von einzelnen Seiteneinsteigern stehen Förderinstrumente wie die individuelle Lernzeit zur Verfügung.

Ausführlichere Informationen s. hier
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2. Warum ist eine kultur- und sprachsensible Herangehensweise bei Schülerinnen und Schülern nichtdeutscher Herkunftssprache gerade bei Leistungserhebungen wichtig?
Sowohl der Erwerb von Kompetenzen als auch deren Überprüfung insb. im Rahmen von Leistungserhebungen sind sprachlich gebunden. Dies gilt für schriftliche wie auch für mündliche Leistungserhebungen in nahezu allen Fächern. Erfahrungsgemäß bereitet die komplexe und abstrakte, stark verdichtete Sprache der Sachfächer Schülerinnen und Schülern, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, besondere Probleme. Deshalb sind u. a. angemessene und reflektierte Aufgabenstellungen und eine entsprechende Aufbereitung von Materialien, z. B. durch verstärkte Worterklärungen, besonders wichtig.

Einen sinnvollen Einstieg in die Thematik bietet u. a. die ISB-Handreichung „MitSprache fördern. Materialien zur Sprachförderung von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund an Gymnasien und Realschulen“, 2 Bd., Augsburg 2013-2014.
3. Gelten bei der Benotung von Schülerinnen und Schüler mit nichtdeutscher Herkunftssprache besondere Regelungen?
Die an Mittelschulen bayernweit flächendeckend angebotenen Übergangsklassen für schulpflichtige Seiteneinsteiger ohne ausreichende Deutschkenntnisse stellen das Regelangebot dar und richten sich auch an gymnasial geeignete Schülerinnen und Schüler. Wenn sich die gymnasiale Eignung abzeichnet, kann die Schullaufbahn am Gymnasium zunächst im Rahmen eines Gastschulverhältnisses fortgesetzt werden.

Schülerinnen und Schüler, die nach Jahrgangsstufe 5 zuwandern und über eine gymnasiale Vorbildung, nicht aber über ausreichende Sprachkenntnisse im Deutschen verfügen, können gemäß § 8 GSO n.F. als Gastschülerinnen und Gastschüler individuell am Gymnasium aufgenommen werden. Sie sind damit Schülerinnen und Schüler der besuchten Schule und müssen gemäß § 8 Satz 2 GSO n.F. am Unterricht in allen Pflicht- und Wahlpflichtfächern teilnehmen, soweit sie der Schulpflicht unterliegen. In dieser Zeit können sie zwar an Leistungsnachweisen teilnehmen, diese werden jedoch nicht gewertet.

Um als Regelschülerinnen oder -schüler an der Schule aufgenommen zu werden, müssen Gastschülerinnen und -schüler gemäß § 6 GSO eine Aufnahmeprüfung und eine Probezeit bestehen. Danach sind sie Regelschülerinnen und -schüler am Gymnasium und werden regulär benotet.

Lediglich im Fach Deutsch gibt es bei Entscheidungen über das Vorrücken eine Ausnahmereglung:  Gemäß § 30 (3) GSO dürfen unzureichende Leistungen im Fach Deutsch von Schülerinnen und Schülern mit nichtdeutscher Muttersprache bei der Entscheidung über das Vorrücken in den ersten beiden Jahren des Schulbesuchs in Deutschland nicht berücksichtigt werden.

Auch ist es gemäß § 39 (6) GSO möglich, in den Jahreszeugnissen der Jahrgangsstufen 5 bis 9 die Benotung im Fach Deutsch durch eine Bemerkung über die mündliche und schriftliche Ausdrucks- und Verständigungsfähigkeit zu ersetzen.

Leistungserhebung und Notengebung an Realschulen

1. Gibt es Sonderregelungen für die Notengebung für Schülerinnen und Schüler mit nicht deutscher Herkunftssprache an Realschulen?
Nach § 31 Abs. 7 der Realschulordnung gilt:
 
Bei Schülerinnen und Schülern mit nicht deutscher Muttersprache, die keinen eigenständigen Deutschunterricht erhalten haben, und Aussiedlerschülerinnen und -schülern kann in den ersten beiden Jahren des Schulbesuchs in der Bundesrepublik Deutschland die Benotung im Fach Deutsch in den Jahrgangsstufen 5 bis 9 durch eine allgemeine Bewertung der mündlichen und schriftlichen Ausdrucks- und Verständigungsfähigkeit ersetzt oder erläutert werden.

s. hier
2. Warum ist eine kultur- und sprachsensible Herangehensweise bei Schülerinnen und Schülern nichtdeutscher Herkunftssprache gerade bei Leistungserhebungen wichtig?
Sowohl der Erwerb von Kompetenzen als auch deren Überprüfung insb. im Rahmen von Leistungserhebungen sind sprachlich gebunden. Dies gilt für schriftliche wie auch für mündliche Leistungserhebungen in nahezu allen Fächern. Erfahrungsgemäß bereitet die komplexe und abstrakte, stark verdichtete Sprache der Sachfächer Schülerinnen und Schülern, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, besondere Probleme. Deshalb sind u. a. angemessene und reflektierte Aufgabenstellungen und eine entsprechende Aufbereitung von Materialien, z. B. durch verstärkte Worterklärungen, besonders wichtig.

Einen sinnvollen Einstieg in die Thematik bietet u. a. die ISB-Handreichung „MitSprache fördern. Materialien zur Sprachförderung von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund an Gymnasien und Realschulen“, 2 Bd., Augsburg 2013-2014.