Realschule / Gymnasium

1. Wie wird der Übertritt an Realschulen und Gymnasium organisiert?
2. Welche konkreten Fördermaßnahmen gibt es?
Gymnasium

An bayerischen Gymnasien gibt es mehrere Projekte, die sich mit der Förderung von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund beschäftigen.

Das Pilotprojekt InGym richtet sich an neuzugewanderte Kinder und Jugendliche, die DaZ lernen. Zu den Voraussetzungen der Teilnahme zählt die besondere Leistungsbereitschaft und -fähigkeit, Englisch- und Mathematikkenntnisse auf angemessenem Niveau, gymnasiale oder vergleichbare Vorbildung sowie ein Alter, das dem der Jugendlichen in den Jahrgangsstufen 6 bis 8/9 entspricht.

InGym verläuft in zwei Phasen:
Zunächst werden die betroffenen Schülerinnen und Schüler einem der InGym-Pilotgymnasien zugeteilt, wo sie ein halbes Schuljahr neben spezieller Förderung im Deutschen auch weiteren Fachunterricht erhalten. In der zweiten Phase, die die Jugendlichen an ihrer Stammschule absolvieren, werden sie weiterhin sprachlich gefördert, etwa über Stunden im Rahmen der individuellen Lernzeit. Auch hierfür können von Seiten der jeweiligen Schule Budgetstunden beantragt werden.

Flyer InGym


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Auch im laufenden Schuljahr gibt es das Pilotprojekt ReG-In_flex (Regionale Integration flexibel). Es bietet eine bedarfsorientierte, flexible und differenzierte Förderung von gymnasial geeigneten Seiteneinsteigern mit Migrations- bzw. Fluchtgeschichte, die nicht länger als zwei Jahre in Deutschland leben. Im Rahmen dieses Projekts stehen zusätzliche Budgetstunden ab einer Größe von fünf förderfähigen Jugendlichen – im ländlichen Raum von zwei förderfähigen Jugendlichen – zur Verfügung.

Mit den Mitteln sollen insbesondere staatliche Gymnasien im ländlichen Raum unterstützt werden, die ein eigenes Förderkonzept für „Seiteneinsteiger“ entwickelt haben und die Bereitschaft signalisieren, auch eigene Mittel einzusetzen. Ansprechpartner  für die Antragstellung ist die jeweilige MB-Dienststelle.

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Schließlich ist das Projekt „Sprachbegleitung“ zu erwähnen, das die Sprachentwicklung von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund in den Blick nimmt. Mittels zusätzlicher Budgetstunden für staatliche Gymnasien sollen mögliche Sprachdefizite von Jugendlichen mit nichtdeutscher Herkunftssprache, die insbesondere in den gesellschafts- und naturwissenschaftlichen Fächern mit ihrer je eigenen Fachsprache zutage treten, ausgeglichen werden. Die MB-Dienststelle Mittelfranken kümmert sich um die Koordination dieses Projekts.

Gymnasiale Fördermaßnahmen für Schülerinnen und Schüler mit Flucht- bzw. Migrationsgeschichte (2017/18)

Realschule

An verschiedenen bayerischen Realschulen besteht das SPRINT-Angebot (Sprachförderung intensiv) für Schülerinnen und Schüler mit Flucht- bzw. Migrationshintergrund, die über nur geringe Deutschkenntnisse verfügen. Dies ist ein wichtiger Beitrag der bayerischen Realschulen, um diesen Jugendlichen einen Realschulabschluss zu ermöglichen.

Die jungen Menschen werden als Gastschülerinnen und Gastschüler in reguläre Klassen aufgenommen, wobei sie zunächst einen intensiven Deutschunterricht erhalten und dann sukzessive in den Regelunterricht integriert werden. Die Integration und Eingliederung in eine Regelklasse und der Kontakt zu den anderen Realschülerinnen und Realschülern ist somit von Anfang an gegeben. Eine flexibel gestaltete Stundentafel erlaubt dabei eine individuelle Anpassung der Fördermaßnahmen an die Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler. Voraussetzungen für die Teilnahme an SPRINT sind der Besuch der Übergangsklasse einer Mittelschule, die Auswahl durch die beteiligten Schulämter und das realschulgeeignete Alter der Bewerber. Zur endgültigen Aufnahme an die Realschule muss das reguläre Aufnahmeverfahren durchlaufen werden.

Spezielle Sprachfördermaßnahmen finden auch außerhalb des SPRINT-Angebots statt. Im Bereich staatlicher Realschulen werden Budgetzuschläge für Schulen mit einem hohen Schüleranteil mit Migrationshintergrund bzw. für besondere pädagogische Projekte zur Sprachförderung vergeben.

Informationen des Ministeriums zu SPRINT
3. Welche Hilfen gibt es für den sprachsensiblen Fachunterricht?
Zum Teil bieten neuere Lehrbücher Zusatzinformationen für die Förderung der Fachsprache. Auch manche Förderschulmaterialien geben Anregungen für den Umgang mit der Fachsprache.

Wissenschaftliche Grundlagen/Literatur sind z. B. bei der internationalen Forschungsstelle für Mehrsprachigkeit (LMU) zu finden.
s. hier

s. auch Sprachsensibler Unterricht
4. Wie erfolgt Religions-/Ethikunterricht?
Der Religions- bzw. Ethikunterricht ist ein Pflichtunterricht und findet wöchentlich zweistündig statt. Die Schülerinnen und Schüler werden – sofern sie einer der beiden christlichen Großkirchen angehören – ihrer Konfession entsprechend zugeteilt.

Schülerinnen und Schüler, die nicht am katholischen oder evangelischen Religionsunterricht teilnehmen, besuchen in der Regel das Fach Ethik (Entscheidung der Erziehungsberechtigten). Ausnahmen sind hierbei der christlich-orthodoxe sowie der israelitische Religionsunterricht, die meist als schulübergreifendes Angebot außerunterrichtlich angeboten werden. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieses Angebots sind vom regulären Religions- und Ethikunterricht befreit und erhalten ihre Note von den Kultusgemeinden.

Der derzeit noch als Modellversuch laufende Islamische Unterricht wird momentan an gut 300 Schulen bayernweit angeboten und bietet ein alternatives Unterrichtsfach zum kath./evang. Religions- und Ethikunterricht. Junge Muslime müssen hierfür von ihren Erziehungsberechtigten angemeldet werden, denn eine direkte Zuweisung aufgrund der Zugehörigkeit zu einer islamischen Gruppierung erfolgt nicht.
5. Welche Stellen leisten Hilfe und bieten Beratung?
Für die bayerischen Gymnasien ist die Dienststelle des Ministerialbeauftragten für die Gymnasien in Mittelfranken der geeignete Ansprechpartner. Ihr obliegt die bayernweite Koordination von Maßnahmen zur Integration an bayerischen Gymnasien.

Für die bayerischen Realschulen ist das von Frau BeRin Dr. Yvonne Hörmann geleitete „Kompetenzzentrum Integration“ Ansprechpartner, das an der Dienststelle des Ministerialbeauftragten für die mittelfränkischen Realschulen angesiedelt ist.